Bald ist Nikolaus

Vor einer Weile war es wieder soweit: Stiefel und Schuhe wurden vor die Türe gestellt, denn: Der Nikolaus kam! Doch kaum einer weiß, dass St. Nikolaus – die Inspiration für den Weihnachtsmann – im türkischen Patara geboren wurde. Dort war er Bischof in Demre, einer Stadt an der Mittelmeerküste des Landes. Hurra, Hauptsache Schokolade und Geschenke!

Hurra
Hurraaaa!

Auch der Freudenruf „Hurra“ kommt von den Türken. Denn als Wien im 16. Jahrhundert durch osmanische Soldaten belagert wurde, hat man deren euphorischen Kriegsruf „Vur, ha!“ (das „ha“ langgezogen), welcher übersetzt „Schlag drauf!“ bedeutet, kurzerhand adaptiert. So wandelte sich dieser mit der Zeit zu unserem heutigen „Hurra“. Doch zurück zum weihnachtlichen Stiefel: Wo kauft man am besten den ganzen Süßkram? Richtig: bei Aldi!

Auf zu ALDI 

Klischeebehaftet bringt man diese Supermarktkette immer wieder mit unseren türkischen Mitmenschen in Verbindung, doch Fakt ist: In Deutschland wurde der erste Aldi-Markt zur Moschee umgebaut. Und Fakt ist auch, dass „aldı“ (ohne i-Punkt geschrieben) auf Türkisch „er hat es gekauft“ bedeutet. Ob da ein Zusammenhang zur Aldis Beliebtheit besteht, kann an dieser Stelle nur vermutet werden.

VannilleK
Das Kipferl

Eins darf um die Adventszeit auf jeden Fall nicht fehlen: das Vanillekipferl. Aber wer hätte es gedacht, dass an der Kipferl-Kreation ebenfalls die Türken nicht ganz unbeteiligt waren. Denn das Gebäck wird dem Bäckermeister Peter Wendler zugeschrieben, der es angeblich 1683 nach der Türkenbelagerung Wiens zum Hohn auf den türkischen Halbmond kreiert hat.

gartenzwerg

Was sprießt denn da?

Es gibt allerdings noch viel mehr über die Türken zu erfahren, die übrigens ein sehr junges Völkchen sind. Das Durchschnittsalter liegt hier nämlich bei 27,3 Jahren, also rund 15,7 Jahre weniger als bei den Deutschen, die im Durchschnitt genau 43 Jahre alt sind. Und viele dieser älteren deutschen haben vor allem im Sommer – neben dem Türkei-Urlaub – eine Lieblingsbeschäftigung, nämlich ihren Schrebergarten. Dort stehen sie meist in Reih und Glied als Symbol deutscher Kleinbürgerlichkeit: die Gartenzwerge. Doch Achtung, denn deren Urbild stammt ebenfalls aus der Türkei, genauer gesagt aus Ostanatolien.

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Türken, Tulpen und Truthähne

Doch es gibt noch mehr lustige Verwechselungen und Missverständnisse. So spricht man bekanntermaßen die Tulpe ja den Holländern zu. Diese ist aber ebenfalls türkisch! Und auch bei den Engländern ist etwas schief gelaufen, als diese damals dachten, der Truthahn würde aus der Türkei stammen. Und so haben sie ihn kurzerhand einfach Turkey genannt.

Kaffe  VS Tee

Mokka vs. Cay

Entgegen der Meinung, die Türken seien ein Kaffee-Volk, trinken sie heutzutage im Jahr nur 0,4 kg Kaffee pro Kopf (im Vergleich zu den Deutschen mit 6,4 kg). Und das, obwohl im Jahre 1554 in Istanbul das erste Kaffeehaus der Welt eröffnet wurde. Viel mehr ist der schwarze Tee, Cay, zum Nationalgetränk geworden, und trotz der berühmten englischen tea time, sind die Türken ganz vorne dabei in der Weltweiten Teetrinker Hitliste.

Guten Appetit – Afiyet Olsun

Nicht nur wird man in der Türkei keinen Döner mit Truthahnfleisch finden, genauso wenig bekommt man dort einen Döner mit Kräuter- oder Knoblauchsoße, denn das ist einfach nicht üblich. Serviert wird’s aber auch mit Brot – auf türkisch „ekmek”.

ekmek

Mach mal kein Heckmeck

Das Wort kommt einem bekannt vor, klingt es doch so ähnlich wie „Ekmek” (zu deutsch: Brot). Und tatsächlich hat sich auch hier das Türkische wieder in unseren Sprachgebrauch geschlichen. Die plausiblere Erklärung für dieses sonderbare Wort: Als nach der Schlacht bei Wien Türken um Brot bettelten, gingen sie den Wienern so sehr auf die Nerven, dass sich „Heckmeck machen” für unverständliches, lästiges, exzentrisches, störendes Verhalten verbreitet hat.

Wie bereits erwähnt: Die Türken sind ein interessantes Volk, über das man viel zu wenig weiß …

Text: Robin White