Foto: Über Den Tellerrand Kochen
Foto: Über Den Tellerrand Kochen

Wir trafen Lisa Thaens, eine der Gründerinnen des Community-Projekts Über den Tellerrand kochen, in der Zentrale in Berlin-Schöneberg.

DailyBreadMag: Seit wann gibt es euch? Und wie fing das Projekt eigentlich an?

Lisa Thaens: Über den Tellerrand kochen entstand als Uniprojekt im Oktober 2014. Damals gab es schon viele Medienberichte zu Flüchtlingsströmen, die im Großen und Ganzen sehr negativ und abstrakt waren. Wir wollten mit unserer Idee das gesellschaftliche Bewusstsein einfach mal ändern. Am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg gab es damals ein Camp für Geflüchtete. Wir sind da einfach hingegangen um mit den Menschen dort zu reden und so kam uns die Idee mit dem gemeinsamen Kochen. Das hat auch von Anfang an super funktioniert und schon bald entstand ein erstes Rezeptbuch mit den persönlichen Geschichten der Geflüchteten. Das Uniprojekt war irgendwann abgeschlossen, aber das Ganze hatte schon so eine Eigendynamik entwickelt, dass wir weitermachten. Dank eines Spiegel-Artikels bekamen wir über Nacht rund 1500 Bestellungen für das Rezeptheft. Das Interesse der Menschen hat uns auf diese Weise ermutigt, deutschlandweit zu ähnlichen Aktionen aufzurufen: Macht dasselbe was wir hier in Berlin gemacht haben, sendet uns das zu, wir machen ein neues Kochbuch!“ Dieses erschien dann 2015 Jahr.

DBM: War Kochen als Thema für euch einfach Naheliegendste nach dem Motto: „Essen muss jeder?“

Lisa: Es war für uns einfach ein Mittel bestimmte Barrieren zu überwinden um so miteinander ins Gespräch zu kommen. Ganz nach dem Motto: „Hey, was isst denn du bei dir so?“. Mittlerweile haben sich unsere Aktivitäten auf tausende andere Themen wie Fußball, Tanzen oder Nähen ausgeweitet. Das gemeinsame Kochen macht den Leuten aber am Meisten Spaß. Man kreiert zusammen etwas, das man bestaunen und natürlich auch essen kann. Man kann viel über seine Kultur erzählen und erfährt Wertschätzung. Am Ende eines Kochkurses klatschen fünfzehn Teilnehmer für dich, das ist schon sehr ermutigend.

Kochkurs mit Hadi aus Syrien

DBM: Kocht ihr mit den Geflüchteten auch deutsche Gerichte?

Lisa: Klar, wir machen auch deutsche Kochkurse. Das ist auch so die Idee der Community. Das Kochbuch und die Kochkurse waren ja nur die Anfangsidee. Letztes Jahr haben wir dann festgestellt, dass es eigentlich viel wichtiger ist, eine Community aufzubauen, weil das einfach den größten Mehrwert, die größte Wirkung hat. So haben wir dann angefangen auch andere Vereine zu gründen. Dort finden täglich Begegnungsprogramme statt. Es ist halt auch wichtig, dass da auch viel deutsche Kultur mit reingebracht wird, dass ein echter Austausch der Kulturen stattfindet. Oft machen wir es auch so, dass wir eine Zutat vorgeben und dann zeigen was in verschiedenen Ländern daraus gekocht wird, z.B. ein deutsches Kartoffelgericht oder ein syrisches Kartoffelgericht.

DBM: Natürlich wollen unsere Leser bzw. die Unterstützer von #HelpDontHate konkret wissen, was mit ihren Spenden passieren wird, was sind eure nächsten Schritte?

Lisa: Eine ganz wichtige Sache ist unsere Skalierung. Wir hatten ja am 6.12.2015 den Kickoff in 20 anderen deutschen Städten. Das nächste Jahr soll dafür da sein alle Manuals zu schreiben, so dass es ein Open-Source-Projekt wird und nicht alles persönlich betreut werden muss. Denn dazu fehlen uns schlicht die Kapazitäten. Auch hier in Berlin wollen wir die Vernetzung voran treiben und nicht nur zentral in Schöneberg bleiben, sondern unsere Prinzipien, die wir sehr wichtig finden, an verschiedenen Plätzen umsetzen. Die Küche hier platzt auch bald aus allen Nähten. Außerdem starten wir demnächst ein großes Kiezprojekt in Schöneberg: Eine 400-qm-Fläche, die wir bepflanzen und bewirtschaften werden. Uns ist es sehr wichtig, dass die Spender wissen wohin das Geld fließt. Alle Gelder, die wir zum Beispiel durch das Kochbuch einnehmen, werden sofort reinvestiert.

Zutaten Ahmed und Teilnehmer mit Sesampaste, Tahin, beim Zubereiten von Baba Ghanoush, Ahemd gibt einen Kochkurs im Start-up "Über den Tellerrand kochen" Der Verein schafft durch Kochkurse sowie Community Treffen ein neues Miteinander zwischen Flüchtlingen und Beheimateten.

DBM: Hat euch die mediale Aufmerksamkeit die Arbeit erleichtert? Wie waren die unmittelbaren Auswirkungen zu spüren?

Lisa: Auf jeden Fall, das kam sicher auch unserer Glaubwürdigkeit zugute. Es erleichtert nicht nur uns die Arbeit, sondern ermöglicht auch kleinere Vereine und Projekte mit an Bord zu nehmen und zu unterstützen. Wir haben mittlerweile ein tolles Netzwerk, von dem sie dann auch profitieren können. Und das freut uns natürlich sehr! Viele vergessen das, wenn sie eine solche Arbeit machen. Darauf haben wir da von Anfang an großen Wert gelegt. Das hat sich total ausgezahlt und uns viele neue Möglichkeiten eröffnet. Das ist supercool!

DBM: Ganz konkret – Wenn ich jetzt auf den Geschmack gekommen bin und einen Kochkurs bei euch machen möchte: Wie funktioniert es?

 Lisa: Du meldest dich einfach an. Der Kochkurs kostet 75 € , 50 € dienen der Kostendeckung, 25 € gehen direkt an den Verein.

DBM: Und wenn ich jetzt selbst eine Idee für ein Projekt habe, kann ich mich dann auch bei euch melden?

Lisa: Klar, das geht natürlich immer. Alle spin-offs laufen autonom ab. Wir geben den Anschub, bringen Leute zusammen, die eine Idee haben, und sind glücklich über jeden Input, der reinkommt.

DBM: Was war euer außergewöhnlichstes Projekt bis jetzt?

Lisa: Es gab letztes Jahr ein Imker-Projekt, bei dem Patenschaften für Bienenvölker vergeben wurden, die sich ein Imker, ein Geflüchteter und ein Deutscher geteilt haben. Und dann wollen wir vielleicht bald einen Dabke-Flashmob machen, da gab es schon Workshops und … mehr darf ich noch nicht verraten.

Hier kannst du für #HelpDontHate spenden!

Kochkurs-Termine und mehr Infos zu Über den Tellerrand kochen gibt es hier!