Die Berliner Modewoche klopft nicht an, sie haut mit geballten Fäusten gegen die Pforten unserer Stresszentren. Um Messe-Termine, Interview-Dates und Schauen physisch, psychisch und street-credibility-mäßig einigermaßen unlädiert zu überstehen, bedarf es eines ausgeklügelten Masterplans. Denn: So viel Spaß es auch macht, die neuen Kollektionen anzusehen, sich mit Designern zu unterhalten, Bekannte wiederzutreffen und zwischendurch einen Gratisdrink zu süppeln; viele vergessen, dass es ein Riesenhaufen Arbeit ist.

1. Lasst die Heels im Schrank!
Auch wenn der Mittelpunkt der Woche offensichtlich die Mode ist, bringt es rein gar nichts, sich so aufzupimpen, als wäre man der Ehrengast bei der Oscar-Verleihung. Freunde, ich habe es versucht: Auf hohen Schuhen durch Berlins eisglatte Straßen zu balancieren, macht erstens keine Freude und sieht zweitens auch ziemlich bescheuert aus. Deswegen sollte man sein Outfit eher einem stylischen Trekkingausflug anpassen. Flache Schuhe und bewegungspositive Kleidung sind die besten Freunde während der Fashion Week.

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2. Ausgewählte Poserei
Damit hätten wir auch den fließenden Übergang zu einem anderen wichtigen Thema geschaffen: Street-Style-Fotografen versuchen den ‚authentischen’ Berliner Look einzufangen (beste Voraussetzung, wenn Punkt 1 von etwa der Hälfte der Anwesenden missachtet wird …) und trauben sich um die besten Outfits. Ist ganz nett und interessant ist es auch, was die Kollegen und Nicht-Kollegen so tragen. Trotzdem sollte man sich immer gut informieren, auf welchen Plattformen man danach landet; nicht jede Publicity ist nämlich eine Gute. Aber auch die Zeit würde nicht ausreichen, sich vor jeder Linse in Szene zu setzen.

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3. Bleib‘ aufm Teppich
Ja, es ist schön zu Modenschauen eingeladen zu werden. Und: Ja, es ist toll, wenn man bei der Berlin Fashion Week dabei sein darf. Aber: Bei Weitem kein Grund, mit Möchtegern-Naomi-Campbell-Attitüde aufzubauen höher zu fliegen als euer verdrogter Nachbar auf Acid. Immer schön bodenständig bleiben – geht besonders gut, wenn man Punkt eins beachtet.

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4. Selfie-Frowin’ – bitte nicht!
Natürlich spielt die Selbstdarstellung während der Fashion Week eine große Rolle – ist ja auch ok, wenn man seine Lieblingskleidung rauskramt und für seinen Instagram-Account ordentlich Material sammelt. In der Front Row zu sitzen und seiner Selfie-Sucht zu frönen – anstatt die Kollektion der Designer anzuschauen – könnte einem allerdings die Gratisdrinks wieder hochkommen lassen.

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5. Testet vorher (!!) neue Beauty-Produkte
Diesbezüglich bin ich ein gebranntes Kind. Während fast alle anwesenden Frauen und Männer ihre besten Makeup-Looks präsentieren, gehöre ich eher zur Kategorie ’nice try‘. Bestes Beispiel: Vor ungefähr zwei Jahren führte ich meinen neusten, todschicken, dunkelvioletten Lippenstift vor. Nach ein paar Schlucken aus meiner Wasserflasche grinsten mich alle an und ich fühlte mich dank der positiven Blicke pudelwohl. Das hielt so lange, bis ich mich in einem Spiegel sah. Über meiner Oberlippe hatte sich ein dunkelviolettes Etwas gebildet, das dem signature style eines gewissen A. H. erschreckend ähnlich sah. Deswegen: Testet die Beauty-Produkte vorher aus und vertraut vor allem nicht darauf, dass euch jemand auf eure Fehltritte hinweist.

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6. Schleppt nur das Nötigste mit
Auch das hat mich die Erfahrung auf (rücken-)schmerzliche Art gelehrt: Glaubt nicht, dass zwischen euren Terminen ernsthaft noch Zeit bleibt, einen Post für eure Website zu schreiben, oder schon mal die ersten Fotos auf eurem Laptop zu bearbeiten. Laptop, iPad, Kamera, Handy, Aufladegeräte, mobile Aufladegeräte, Zweithandy – entscheidet euch für die unverzichtbaren Dinge und lasst den Rest im Office. Euer Körper wird’s euch danken.

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Headerbild: Sam Aronov via Shutterstock