Yoga ist eine tolle Sache. Es macht den Geist klarer und den Körper schöner. Es eignet sich prima, um mehr bei sich selbst anzukommen. Es verbindet Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Und die zugehörigen Yogaposen sehen auch noch verdammt gut aus.

Wen wundert es also, das diese irgendwann auf Instagram und Co. landen?

Mich nicht. Was ich viel spannender finde: Eigentlich hat jeder eine Meinung zu diesem Trend, sich in Yoga-Positionen vor stylischen Hintergründen abzulichten.

Ein beliebtes Argument gegen die Yoga-Bilder ist: Das ist kein Yoga. Das ist reine Selbstdarstellung.

Natürlich geht es beim Yoga darum, möglichst im Hier und Jetzt anzukommen, sich nicht ablenken zu lassen und den Fokus vor allem auf dem eigenen Atem statt auf die Kameralinse zu richten.

Doch lasst uns ehrlich sein: Die meisten Dinge, die wir auf Instagram teilen, werden, bevor sie ins das Licht der Öffentlichkeit erblicken, hübsch in Szene gesetzt. Der Smoothie auf Instagram hat genauso wenig mit dem grünen Massaker in meiner Küche zu tun, wie das schicke Yoga-Bildchen mit ernsthafter Yogapraxis. Vielmehr geht es hier darum, seine eigenen Gliedmaßen auf eine Art und Weise zu sortieren, dass sie auch für andere ansprechend aussehen. Das ist nicht nur normal, sondern völlig okay.

Ich erinnere mich gut daran, als ich zur Promo eines Workshops dieses Mini-Video aufgenommen habe.


Es dauerte etwa eine Stunde, bis ich mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden war und brachte mich (und meinen Freund, der filmte) an den Rand des Wahnsinns.

Ich selbst freute mich allerdings so sehr über meinen neuerlernten Handstand-Trick, dass ich ihn unbedingt mit möglichst vielen Yogis teilen wollte. In meinem Unterricht, aber auch mit denen, die nicht selbst zu mir in Berlin auf die Yogamatte kommen können.

Ist das Bedürfnis etwas, das mich mit purer Freude erfüllt, mit anderen zu teilen unyogisch? Ich glaube nicht. Das gilt aus meiner Sicht auch für jene Yogis, die sich selbst in noch waghalsigeren Posen ablichten lassen als ich.

Meine wunderbare Yoga-Freundin und Blogger-Kollegin Dana zum Beispiel. Ich kenne nur wenige Menschen, die mit so großer Hingabe und Stetigkeit Yoga praktizieren wie sie. Auch wenn mein Körper weit davon entfernt ist, solche Verrenkungen zu machen wie der ihre, strahlt jeder von Danas Asana-Posts so viel Liebe zu Yoga aus, dass es von „nervig“ nicht weiter entfernt sein könnte.


Ähnlich inspirierend ist Ava Carstens. Die junge, schöne Yogini aus Hamburg klemmt sich mit der gleichen Lässigkeit ein Bein hinter das Ohr, wie sich andere eine Jacke über die Schulter werfen. In ihrem Instagram-Feed sieht man Ava in den verrücktesten Yoga-Haltungen, an den wildesten Orten. Was sie alle gemeinsam haben: Sie sind wahnsinnig ästhetisch.


Ich kann verstehen, dass beim Anblick dieser schönen Frauen Neid aufkommt. Ich auch verstehen, dass es frustrierend sein kann, selbst nicht in der Lage zu sein, solche Bilder von sich aufzunehmen. Aus welchen Gründen auch immer.

Trotzdem: Es ist nicht in Ordnung, andere abzuwerten oder für etwas zu verurteilen, dessen Hintergründe man nicht kennt.  Hinter fortgeschrittenen Yoga-Übungen steckt meist jahrelange, kontinuierliche Übung und Disziplin. Hinter guten Fotos ein ausgeprägtes Gespür für Bildkomposition. Hinter einem schön geführten Instagram-Account jede Menge Arbeit.

Und selbst wenn es dem Yogi darum geht, sich selbst auf Instagram in Szene zu setzen: Warum eigentlich nicht?

Beim Yoga geht es doch um die Selbst-Erkenntnis.

Und wer das eigene Selbst erkennen will, der fängt am besten bei sich an. Schließlich verrät uns unsere Sicht auf die Außenwelt doch das meiste über uns selbst. Und die anderen sind ohnehin nur dafür verantwortlich, was sie sagen. Nicht dafür, wie du es interpretierst.

Insofern ist den vermeintlichen Selbstdarstellern dann ein ziemlich yogischer Move gelungen: Ganz unabsichtlich und ohne es zu ahnen werden die Yogis auf Instagram so zu Spiegeln unseres eigenen Selbst und helfen uns, etwas mehr über uns zu erfahren. Von dieser Warte aus betrachtet, sind die Insta-Yogis unsere Lehrer, denen wir dankbar sein können. Dafür dass sie uns etwas beigebracht haben – auch wenn es nicht die frisch geknipste Asana ist. Und ist es nicht genau das, was wir uns von unseren Gurus wünschen?

Zum Schluss noch ein Tipp für den Umgang mit Insta-Yogis: Alles, was dich nicht inspiriert, fliegt raus.

Du bist ein freies Wesen. In deinem Feed musst du dir nichts ansehen, was dir nicht gefällt. So ging es mir zum Beispiel mit der Astanga-Yoga-Ikone Kino McGregor. Während mir Kinos YouTube-Videos große Inspiration sind, langweilten mich ihre Instagram-Postings bereits nach kurzer Zeit.


Die einfache Lösung: Klick den Unfollow-Button. Es kann wirklich so einfach sein.

Wie du dein Instagram zur Zen-Zone machst, verrät dir meine Partnerin in Crime Franziska in diesem Beitrag auf Daily Bread.

Doch bevor ich mich für heute wirklich verabschiede, habe ich noch ein kleines Geschenk für dich. Wenn unser Chefredakteur Claudio nicht gerade Kampagnen plant oder für gute Beiträge aus der Blogfabrik sorgt, geht er auch gerne mal unter die Insta-Yogis …

#claudioheartsberlin doing some #yoga at the #berlinlake

Ein von Frank Hearts … (@iheartberlin) gepostetes Foto am


In diesem Sinne: Strike a pose!

XOXO Rebecca

Titelbild: Dana Sertel