Schwarze Tusche auf weißem Papier bilden mal einsame Pinguine, mal Vögelgruppen auf  Stromleitungen und mal Antilopen in der Prärie. Die Zeichnungen von Robin Thiesmeyer unter den Namen META BENE illustrieren ein minimalistisches Fabelwerk unserer Zeit. Mit filigranen Strichen und pointiertem Wortwitz schafft er Nachdenkmomente, die sich im Netz viral verbreiten. Seit 2013 veröffentlicht der Zeichner und Wortvirtuose seine Werke auf dem eigenen Blog sowie auf Twitter und Facebook. Zur Erscheinung seines ersten Buches Es gibt mehr Sterne als Idioten wollte ich mehr über die Hintergründe seiner Arbeit erfahren und habe mit ihm über Cartoons, soziale Medien und Idioten gesprochen.

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Kannst du kurz etwas zum Hintergrund von META BENE erzählen?

Das ist ein Projekt, das sich verschiedener Seiten meines Schaffens bedient. Ich habe einen Studienabschluß in Kreativem Schreiben und Kulturjournalismus und habe mich viel mit literarischem Schreiben beschäftigt. Aber auch Cartoons begleiten mich schon seit meiner Kindheit, angefangen von Garfield Comics bis Garry Larson. Während des Studiums habe ich mich viel mit Bildwelten und Kunst-Konzepten befasst. Vieles daraus ist in das META BENE-Konzept eingeflossen.

Für mich ist der Begriff Metaebene sehr abstrakt. Wie definierst du ihn?

Wenn man beim Gehirn nochmal hinten in den Garten geht, sozusagen. Was nicht in direktem Bezug der Kausalketten, sondern eher im Freiraum steht und seine Zuordnung noch finden muss.

Gibt es bestimmte Situationen aus dem Alltag, die dich für deine oft absurden Zeichnungen inspirieren?

Im Prinzip alles. Häufig geht es von den sprachlichen Figur aus. Manchmal hatte ich schon was im Kopf oder mir tagsüber eine Notiz gemacht. Das sind dann manchmal Redewendungen, bei denen man merkt: Wenn du sie ein wenig drehst … oder sie sind schon absurd oder zumindest ihr Gebrauch im Alltag. In meiner Gedankenwelt gibt es manchmal Räume, die entstehen, und dazu fällt mir etwas ein. Außerdem inspirieren mich auch philosophische Fragestellungen, Bücher oder Interviews mit Wissenschaftlern, die von Alexander Kluge geführt werden.  Dctp.tv schaue ich mir auch gerne an, da kommen mir viele Ideen.

Worauf achtest du bei der Bildkomposition?

Bei manchen Bildern denkt nur ein Tier nach, da muss man nicht auf vieles achten. Die schauen je nach Stimmung nachdenklich zu Boden oder zum Himmel. Das Wichtigste: Die Konstellation zwischen den Tieren. Wie sind sie einander zugewandt? Dreht sich die eine leicht weg? Oder Käfer: Wenn ich welche an der Decke laufen lasse, hat man automatisch einen Kasten oder eine Höhle, in die man kuckt. Bei den Käfern ist es immer wichtig, wo die Beine sind und welcher Raum aufgemacht wird. Die Beziehung zwischen den Tierprotagonisten ist bei Dialogen besonders wichtig.

Du hast Tiere zu den Protagonisten deiner Zeichnungen gemacht. Was können wir deiner Meinung nach von Tieren lernen?

Das Schöne an Tieren wie auch an Fabeln ist, dass sie ein wenig aus den üblichen Kausalzusammenhängen gerissen sind. Dadurch betrachten wir Dinge, wenn wir sie aus den Augen eines Tieres sehen, automatisch anders. Grundsätzlich versuche ich nicht etwas zu unterrichten, sondern zu zeigen, dass man durch die Veränderung des Blickwinkels Dinge auch anders sehen kann.Manchmal passt das und die Leute verstehen es. Manchmal ist es auch ein Witz, ein Kalauer, und das muss ja auch erlaubt sein. (lacht) Humor ist schon relativ wichtig.

Wann zeichnest du meistens? Wann kommen dir die Ideen?

Ideen sammle ich immer. Doch ich habe wegen meiner beiden Kinder natürlich nicht immer Zeit zu zeichnen. Inzwischen erkenne ich die Sachen, die passen, auf Anhieb und mache mir dann Notizen. Aber ich arbeite erst abends für den Blog. Vormittags mache ich meistens die Bilder, die ich verkaufe, oder neue Kalligraphien für die Kolumne.

Welcher Social-Media-Kanal ist dir am liebsten? Du bespielst ja Twitter und Facebook.

Sehr unterschiedlich, ich bediene das auch unterschiedlich. Jetzt habe ich auch Instagram dazu genommen. Den Kanal hänge ich aber nicht an die große Glocke, weil ich dort gerne Neues ausprobiere. Prinzipiell kann ich auf Twitter viel mehr posten, bei Facebook bleibt es länger und es sehen auch viel mehr Leute, weil es viel mehr Facebook-Nutzer gibt. Aber Twitter ist mein ursprünglicher Kanal, auf dem ich gelernt habe, zu kommunizieren. Auf den Blog stelle ich fast alles drauf. Bei Twitter mache ich tendenziell mehr und bei Facebook weniger, sonst ist es zu viel und nervt die Leute irgendwann. Wenn jeden Tag zwei Bilder von META BENE in der Timeline sind, nutzt sich das glaube ich auch ab. Alle zwei, drei Tage was zu machen ist cool. Bei Twitter hatte ich immer eine höhere Taktung.

Da wären wir schon bei der nächsten Frage: Früher hast du täglich auf Twitter gepostet. Wie regelmäßig postest du dort aktuell?

Durch die Geburt meiner Tochter geht das nicht mehr. Der Energie-Aufwand, das täglich zu machen, war sehr hoch, und es war stressig, immer liefern zu müssen. Während der Arbeit an dem Buch ging das auch nicht mehr, denn so viele Ideen und vor allem so viele gute Ideen hatte ich nicht. Deshalb musste ich immer wieder Pausen machen, um zu überlegen, was ins Buch kommt. Das kann ich dann natürlich nicht vorab posten. Jetzt habe ich auch eine Kolumne bei ZEIT ONLINE, das braucht auch Zeit. Dadurch hat das extrem abgenommen.

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Lass uns über deine Follower-Zahl reden. Wie kam es zu deiner großen Reichweite?

Dadurch, dass ich Bilder mache, ging das ziemlich schnell und es gab auch große Accounts, die mich empfohlen haben. Dann gab es auch Bilder, die extrem gut ankamen. Wenn du merkst, dass ein großer Kanal, der dich vorher nicht kannte, dein Bild teilt, und dir dann neue Leute folgen und dein Bild teilen – das ist schon klasse. Es gibt immer mal wieder Sachen, da merkst du, dass hat ein anderer durch sein Posting extrem weit vorangebracht.

Was schaust du dir im Netz selbst gerne an?

Gerade bei den Cartoonisten gibt es einige, die unheimlich schöne Sachen machen, die das Tempo dieser Timelines ein bisschen rausnehmen. Von dctp.tv habe ich mir zum Beispiel inzwischen fast alles angeschaut. Auch von Katharina Grebe, einer Cartoonistin, die ein Hochhaus baut und jede Woche einen neuen Cartoon veröffentlicht. Wenn man wie ich berufsbedingt längere Zeit im Netz rumhängt, ist das ganz schön, wenn man nicht zum Zombie wird.

Nochmal zu deinem Buch: War es von Anfang an dein Plan, ein Buch rauszubringen?

Ich bin ja kein Digital Native und stamme noch aus der Buch-Kultur. Das war für mich immer klar, dass ich das gerne machen würde und meine Zeichnungen sammle.

Wie kam es zu dem Buch-Titel?

Zu dem Spruch „ Es gibt mehr Sterne als Idioten“ kam es letztes Jahr im Frühjahr. Den Tweet habe ich relativ spät abgesetzt und dachte, dass keiner mehr darauf reagiert. Pegida lief auf der Straße rum, Dschungelcamp lief im Fernsehen, was ich nicht angeschaut habe, aber bei Twitter machen sich viele darüber lustig.  Ich selber bezeichne mich auch gerne als Idioten, wenn etwas mal nicht so gut läuft. Ich glaube, es lief zu dem Zeitpunkt bei mir nicht so gut.

Was meinst du, wie viele Idioten gibt es auf der Welt?

Wenn man sich überlegt, wie viele Sterne es gibt, läuft das ins Leere. Immer, wenn ich Sterne sage, denke ich an diese astronomische Faktenwelt, mit der ich mich viel auf einer populärwissenschaftlichen Ebene beschäftige. Dafür habe ich auch recherchiert und weiß, wie viele Sterne es ungefähr gibt. Denn es gibt wirklich sehr viele Sterne, hundert Milliarden mal hundert Milliarden ist eine sehr konservative Schätzung. Wir können uns also sicher sein: Es gibt mehr Sterne als Idioten.

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Es gibt mehr Sterne als Idioten erscheint am 10. März im S. Fischer Verlag.

Danke für das Interview, Robin!

Porträtfoto: Merav Maroody, Weitere: META BENE