Copyright by © ProSieben/Richard Huebner
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Kaum ist die letzte Staffel von Germany‘s Next Topmodel verdaut, kommt auch schon das nächste Mega-Event der Belanglosigkeit daher: Das Finale des Eurovision Song Contest. Was Heidi Klum in Form von Luftbussis verteilt, wird am Samstag in Punkten vergeben: vermeintliche Wertschätzung.

Zum 61. Mal werden Kandidaten aus 26 Ländern in Stockholm für ihre Nation antreten. Und zum 61. Mal werden sich die Geister scheiden: Während die einen den Musik-Wettbewerb mit Ignoranz und Ablehnung strafen, stellen andere schon mal den Rotkäppchen-Sekt kalt und überlegen, welches Gemüse wohl am besten zum Party-Dip passt. Party? Bleiben wir mal auf dem Boden der Geschmacklosigkeit.

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Manga-Mädchen Jamie-Lee Kriewitz wird beim ESC für Deutschland singen. (Copyright by Anna Velikova (EBU)

Nun kann man den ESC lieben oder hassen. Aber hey, wenigstens geht es bei dem Spektakel um Musik. Optimistisch, ich weiß. Da Xavier Naidoo nun doch nicht für Deutschland ins Rennen geht, könnte es mit der guten Musik aber klappen. Und falls nicht, dann lenken wieder Windmaschinen, dramatische Flammen-Visuals und Laser-Shows vom eigentlichen Desaster auf der Bühne ab.

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Heidi is not amused.

Das (a-)soziale Happening

Wenn wir uns zum fidelen Fernsehabend treffen, dann steht vor allem das Essen im Mittelpunkt; es gibt allerlei Knabbereien und Snacks bis zum Umfallen. Man könnte meinen, wir kompensieren die billige Berieselung mit kulinarischen Leckereien – je besser das Essen umso leicht verdaulicher das Dschungelcamp. Je mehr Sekt; desto erträglicher Heidi Klums Stimme.

Aber nicht nur das Essen fesselt uns für ein paar Stunden an die Mattscheibe: Medienwissenschaftler sagen, dass die Emotionen, die beim Trash-TV geweckt werden, ausschlaggebend für die Beliebtheit von Dschungelcamp & Co. sind. In den Shows werden Tabus gebrochen und Ekelgrenzen ausgetestet. Geht es den Kandidaten schlecht, fühlen wir uns besser. Wird jemand hart gemobbt, dürfen wir ihn bemitleiden. Der Grat zwischen Faszination und Ablehnung ist ein schmaler.

Im Dschungelcamp gibt's Rattenschwänze und Schweine-Anus, bei uns vegetarischen Mett-Igel.
Statt Rattenschwänze und Schweine-Anus gibt es vegetarischen Mett-Igel.

Eine weitere Theorie: Wir können den Scheiß, den wir da gerade schauen, in der Gruppe einfach besser genießen. Ganz nach dem Motto: Kollektive Schadenfreude ist die schönste Freude. Und so kommt es, dass wir uns alle mal wieder an einem Ort getroffen haben, um gemeinsam den Voyeurismus zu frönen.

Jamie-Lee Kriewitz wird am Samstag beim ESC für Deutschland antreten. Dann werden wir sehen, ob es wieder ein Feuerwerk der Geschmacklosigkeit geben wird. Ich geh dann mal Knabberé kaufen.

Text: Laura Pohl

Titelbild: © ProSieben/Richard Huebner