Während Instagram noch zum Bearbeiten von Fotos diente, Selfies niemandem ein Begriff waren und nur ein Viertel meiner Freunde einen Facebook-Account hatte, warf ich mich kurzerhand in die Blogosphäre. Es war das Jahr 2009, ich war zarte vierzehn Jahre alt, und was ein Blog ist oder wie sich ein Leben mit so einem Blog verändern kann, war mir bis dahin nicht bewusst. Eigentlich schoss ich einfach gerne Fotos von mir, um diese im Anschluss, nachdem ich sie mehr schlecht als recht bearbeitet hatte, irgendwo ins Netz zu stellen. Tatsächlich gewann ich dadurch ein paar Follower und gründete, ohne wirklich darüber nachzudenken, mein Blog Shiggers On Street, auf dem ich Inspirationen zum Thema Mode und Lifestyle festhalten wollte.

Früh habe ich meine Liebe zur Mode entdeckt, doch leider auch schnell feststellen müssen, wie beschränkt die Auswahl an schönen Kleidungsstücken für Männer war. Vielleicht war genau das der ausschlaggebende Punkt, warum ich mich nur ein halbes Jahr später in meinem wochenlang durchgeplanten Outfit auf der Fashion Week in Berlin wiederfand. Während meine Eltern im Auto vor dem Zelt am Bebelplatz warteten – cute, oder? – zitterte ich vor Neugier, Aufregung und wegen eines viel zu dünnen Outfits bei vier Grad minus. Von den Shows, die ich besuchte, bis hin zu all den Menschen, die ich treffen und kennenlernen durfte, waren diese Tage in Berlin einfach nur perfekt. Das kurze Eintauchen in den verrückten Modezirkus zeigte mir, wie sehr ich Mode liebe. Ich hatte Blut geleckt und zum Glück immer einen Weg gefunden mich individuell zu kleiden.

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Kleinstadtkleingeist

Ich komme aus einer kleinen, ziemlich konservativen Stadt und kann das Gefühl sich wie ein Außenseiter zu fühlen sehr gut nachvollziehen. Niemand um mich herum hatte verstanden, was ich mache, warum ich mich gerne anders anziehe oder Dinge aus meinem Leben im Internet preisgebe. Ich war mir darüber noch nicht mal selbst ganz im Klaren. Vielmehr war war ich es gewohnt, mich für alles rechtfertigen zu müssen, das in der Fachwerkhaus-Einöde nicht der Norm entsprach. Als die örtliche Zeitung über mich und meine Arbeit schrieb, fühlten sie die Blicke der anderen an wie tausend Nadelstiche.

Großstadtflair

Der Wunsch, in eine Großstadt zu ziehen, wurde immer stärker. Das sich dieser letztendlich erfüllte, und das schneller als ich dachte, verdanke ich nur meinem Blog Im Sommer 2011 bekam ich eine Teilezeitstelle bei einem Online-Magazin in Berlin und räumte noch vor den Sommerferien mein Kinderzimmer. Aber na, na, nicht falsch verstehen: Ich liebe meine Heimat und meine Familie, meine Zukunft habe ich trotzdem nie dort gesehen, und das Abi konnte ich auch in Berlin machen.

Generell erwies sich Berlin als das Beste, das mir passieren konnte. Es erwies sich zwar als Herausforderung, auf einmal einen eigenen Haushalt zu schmeißen, täglich etwas für den Blog zu machen und gleichzeitig fürs Abitur zu lernen. Und trotzdem liebte ich diese Zeit. Während das Bloggen im Kleinstädtchen nur ein Spaß war und der Verdienst eher einem guten Taschengeld glich, ging es in Berlin um Steuererklärungen, Posting-Fristen, eigene Kosten, Unique Content, Meetings, Events. Bloggen war zuvor nur mein Hobby, und lange war mir nicht bewusst, dass sich daraus ein Business entwickelte. Ich kannte mich mit nichts der gleichen aus und wuchs teilweise über mich hinaus.

Social Media Struggle

Zudem erschwerten mir Instagram, Facebook & Konsorten die Arbeit extrem. Was anfangs noch totalen Spaß machte, wurde irgendwann zur Last. Ich wollte immer einem Ideal entsprechen, welchem ich jedoch an manchen Tagen nicht gerecht werden konnte. Tagtäglich meinen Followern zu zeigen, was ich mache, esse und für Outfits trage, ist wirklich die schwierigste Aufgabe des Bloggers. Kunden und Vermarktung zwangen mich dazu, die sozialen Netzwerke mit schönen Fotos und Texten zu pushen, der Grad zwischen Darstellung und Realität wurde immer schmaler. Zunehmend konnte ich an nichts anderes mehr denken als daran, wie weit ich gehen kann, ob das Foto wirklich gut genug bearbeitet ist oder ob ich es doch lieber ohne Filter posten soll.

Endlich Pause

Nach meinem Abi vor genau zwei Jahren gönnte ich mir eine Pause – Internet-Abstinenz. Hier und da wurden Fotos gepostet, jedoch deutlich weniger Updates als zuvor.

In diesem Jahr, 2016, fing ich endlich an zu realisierten, was ich online und offline in der Digital Zeit eigentlich geschaffen hatte: einen erfolgreichen Blog, der kurze Zeit auf Platz 3 der beliebtesten Männer-Blogs weltweit stand. Unzählige Interviews, Shootings, Reisen und Events durfte ich miterleben. Freunde und ich schmissen eine eigene Partyreihe in Berlin, die eineinhalb Jahre lang monatlich stattfand und immer prall gefüllt war. On top gründete ich Homme to go ein Blogazine mit zwei Freunden.

Blogfabrik Love

Ich bin glücklich und stolz über das, was ich täglich als Digital Native so erlebe. Seit April dieses Jahres arbeite ich nun in der Blogfabrik, und hier lernt man wirklich ständig was Neues. Deshalb kann ich gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich über meinen eigenen Schreibtisch freue. Nach sieben Jahre Home-Office im Onesie weiß ich endlich, wann Schluss ist, kann die Arbeit dank weniger Stress in den eigenen vier Wänden, besser genießen. Arbeit und Privates zu trennen ist neben all den talentierten Menschen um mich herum wahrscheinlich das Positivste an meinem Einzug in die Blogfabrik!