Wer durch manche Straßen in London, Paris und Melbourne schlendert, der wird vielleicht über Sätze wie „You are a sweet angel of infinite hotness. Yeah. You.“ oder „I believe in you. So that makes two of us.“ stolpern. Gedruckt auf weißem Papier, pinselt WRDSMTH seine tägliche Dosis Inspiration an Hauswände und Stromkästen, so überzeugend, dass sie selbst dem stärksten Regen standhalten und kaum zu übersehen sind. Eine Aktionskunst, die legaler nicht sein könnte, zumindest im Herzen ist sie das.

 

late night musings Picture Credit: @lobanov_la #WRDSMTH

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hashtag modern day romance #WRDSMTH Ein von WRDSMTH (@wrdsmth) gepostetes Foto am

 

So lesen sich seine Kommentare wie kleine Fingerabdrücke, eines besser als der andere. Motivierend, witzig und subversiv prägt der Street Artist aus den USA das Stadtbild, leimt in die besten Winkel und führt wortreiche Liebeserklärungen bis ins Absurde. Man kommt nicht herum, sie alle aufspüren zu wollen, wer in Los Angeles lebt hat Glück, denn dort begegnet man mehr seiner Werke als anderswo in der Welt. Obwohl seine Street Art in der Öffentlichkeit sichtbar ist, will WRDSMTH anonym bleiben. Zwar taucht hier und da mal ein Foto von ihm auf, sogar ein Musikvideo existiert, doch wirklich erkennen und zuordnen kann man sein Gesicht nicht. Eine wirklich erstaunliche Entscheidung seitens des Künstlers, denn seit sich die Street Art mehr und mehr in ein legales Mainstream-Produkt entwickelt, verzichten nur noch die wenigsten darauf unerkannt zu bleiben. Die gefragtesten Street Artists in der Szene sprühen sowieso mit Erlaubnis. Ob Fintan Magee oder Jimmy C, zwei begnadete Künstler aus Australien, die sich für ihre großen ästhetischen Projekte ohnehin Zeit nehmen müssen. Ab einen gewissen Bekanntheitsgrad wird der „Vandale“ eben zum Künstler.

Auch WRDSMTHs Werke sind längst nicht mehr alle illegal, warum also noch nachts losziehen? Es darf vermutet werden, dass hier nicht der Künstler, sondern seine Kunst im Mittelpunkt stehen soll. Damit hatte vor allem schon ein anderer richtig Erfolg: Kollege Banksy aus Großbritannien. Von dem weiß bis heute auch keiner so genau, wer sich hinter diesem Pseudonym eigentlich versteckt. Während der Brite auf soziale Missstände aufmerksam macht, versucht sich der Amerikaner mit aufbauenden Aphorismen. In einem seltenen Interview verrät WRDSMTH, dass er sich irgendwann aus seinem Schreibtischstuhl in der Werbebranche erhob und 2013 das erste Mal draußen aktiv wurde, nicht weit von seinem Zuhause entfernt. Schreiben sei ohnehin immer sein Ding gewesen, ob für das Fernsehen oder einen Verlag, eigentlich habe sich nur das Medium verändert. Und das hat es in sich. Sogar an den typischen roten Telefonzellen rund um Covent Garden in London, liest man WRDSMTHs mittlerweile berühmte Werke. Einige wurden entfernt, wieder andere kann man noch aktuell aufspüren. Die Briten scheinen amused über so viel Poesie.  

 

‚last chance‘ #WRDSMTH #WRDSMTHinLondon #flashback Ein von WRDSMTH (@wrdsmth) gepostetes Foto am

I miss you, London. But that’s because I adore you. #TopOfTheMorning Photo Credit: @_deeny #WRDSMTH

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WRDSMTHs Worte haben Kraft. Und je näher sie anderen ans Herz reichen, desto größer seine Reichweite. Und damit trifft er genau den Nerv der Zeit. Seine Bilder werden von allen wichtigen Street-Art-Kanälen im Internet geteilt. Manchmal kollaboriert er sogar mit anderen Leuten vom Fach. Paste-up girl C3 und Stadtengel Colette Miller in jüngster Zeit. Mittlerweile zählt sein Instagram-Account eine Mitgliederschaft von über 88.000 Liebeshungrigen. „A message for you“ verlinkt ein Follower seine Freundin unter das Foto, das „The world is your oyster, Mermaid“ unter der Sonne Kaliforniens zeigt. Und nicht nur er. Unzählige User tun es ihm gleich. Es scheint, als gäbe es viele Meerjungfrauen da draußen. Die Welt ist ihre Auster. Wem das zu kitschig ist, der hat die urbane Romantik von heute nicht verstanden. Doch nicht nur Kollegen zeigen sich von WRDSMTHs Kunst beeindruckt. Auch Touristen und Spaziergänger fotografieren fleißig seine Botschaften und verteilen sie munter im Netz.  Viele von ihnen werden zu Instagram-Followern. Eine bessere Werbung kann es kaum geben. WRDSMTH begrüßt das Posen seiner Fans und repostet die Fotos gerne mit dem Kommentar: „Sometimes the art happens long after I put a piece up in the streets“.  

 

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believe in yourself. ⭐️ #happy #monday #mondayblues #latepost #ootd #ootd #dtla #LostInLA #inspiration #adventure

 

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Ob der Amerikaner auch nach Berlin kommt, bleibt zu hoffen. Zu wünschen wäre es uns jedenfalls, denn wer möchte nicht auf seinem täglichen Weg zur Arbeit „Aspire to Inspire Others and the Universe Will Take Note.“ lesen?

 

Text: Judith Poznan #teamimgegenteil
Headerfoto: D7606