Wenn mein Internet einen Hänger hat, könnte ich buchstäblich an die Decke gehen und grundsätzlich funktioniert bei mir die schlaue Anweisung, den Router neu zu starten, nie. Während dieser Situation wird mir immer bewusst wie abhängig ich bin. Ich arbeite, lerne, suche, surfe, buche, bestelle im Internet.

Wir alle lieben das Internet, doch das Leben und die Probleme von Bloggern werden zum größten Teil belächelt und unterschätzt. Dabei gibt es etliche Gründe warum Internet, der Zugang zu Sozialen Medien und Mails so wichtig für uns sind. Wir sind quasi immer abrufbar, online und präsent.

Ungewollter Internet Verzicht

Wenn ich auf Reisen bin wiegt alleine meine Ausrüstung an Elektrogeräten wie Laptop, großen Kopfhörern, zwei bis drei Kameras, Ladekabel und anderem Schnick Schnack bis zu 10kg. In den Jahren habe ich eine gewisse Routine beim Aufteilen der Elektronik in verschiedene Gepäckstücke entwickelt und schaffe es immer ohne Übergepäck in den Flieger. Kurz vorm Boarding werden die letzten LTE-Minuten ausgekostet um den ganze Instagram Feed, alle Snaps und Mails für den Flieger zu laden. Vollzeit Blogger, die vor allem immer alles sofort via Snapchat oder Instagram teilen möchten, sind darauf angewiesen. Ohnehin mag ich es ständig erreichbar zu sein – aber Roaming? Glücklicherweise haben die Gerichten ja ohne hin entschieden, dass die Preise im Ausland viel zu hoch waren. Jahrelang habe ich hunderte Euros für irgendwelche Pakete bezahlt und mich mit der WLAN-Suche verrückt gemacht. Zum Glück ist damit bald Schluss, denn ich habe so immer ein paar hilfreiche Apps auf dem Smartphone die kein Internet benötigen und mir das Arbeiten auf Reisen erleichtern.

Im Ausland kann ich mich an den Verzicht gewöhnen, weil es auf Reisen immer unglaublich viele Dinge zu entdecken gibt. In den eigenen vier Wänden kein Internet zu haben, ist aber echt bitter. Als ich in meine Wohnung zog fand ich mich gleich am ersten Abend vor der Tür meines Nachbarn: ‚Hey, ich bin neu hier. Wärst du so nett und würdest mir vielleicht dein WLAN Passwort geben?‘ Die Augen des Typen hättet ihr sehen sollen: ‚Ne, sorry, mein Internet funktioniert gerade eh nicht.‘ Ja, ja dachte ich, die Nachbarn in Berlin eben. Danach traute ich mich keinen anderen Nachbarn zu fragen und ging enttäuscht ins Bett. Jeder Mensch der irgendwie im Netz surft kann das doch vollkommen nachvollziehen, oder? Hätte jedenfalls jemand vor meiner Tür gestanden, hätte ich ihn wahrscheinlich noch reingebeten. Wenn ich etwas nachvollziehen kann, dann das Verlangen nach Erreichbarkeit.

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Angenehme Enthaltsamkeit

Es gibt natürlich auch Momente in denen ich das Internet freiwillig verlasse. Letzten Monat flogen mein Freund und ich für zweieinhalb Wochen nach Thailand – eine unglaubliche Reise mit dem schlechtesten Empfang, den ich jemals erlebt habe. Meine Online Präsenz kann ich als Blogger jedoch nicht einfach abstellen. Um mein Business am Laufen zu halten, muss ich jeden Tag Fotos aus meinem Leben teilen und dadurch habe ich oft das Gefühl, ich dürfte mir keine Auszeit gönnen.
Vor ein paar Jahren ging täglich ein Beitrag von mir online, ich verbrachte viel Zeit am Rechner und später vor allem am Handy. Heute gönne ich mir gerne eine Pause und berichte nur nach Lust und Laune. Nach anstrengenden Wochen und Events brauche ich oft eine Auszeit um auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Kamera und Handy werden dann mal im Hotelzimmer gelassen oder Zuhause ‚vergessen’. Während dieser Tage ist die ‚Nicht Stören’ Funktion am Handy mein bester Freund. Ich empfehle jedem mal eine gewisse Abstinenz vom Internet um sein eigenes Akku zu laden, denn in diesen Momenten genießt man das Leben mit all seinen Vorzügen.

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Alle Bilder: Dustin Hanke