Viele kennen ihre Freunde aus der Schule, ich war aber meist heilfroh, am Nachmittag da raus zu sein. Ich komme aus in einer Kleinstadt und hatte schon früh das Gefühl, meine Freunde außerhalb dieser Blase suchen zu müssen. Ich mochte den Kontakt zu meinen Mitschülern und hatte immer viele tolle Leute um mich. Über die meisten dachte ich aber nach dem Bimmeln der letzten Schulstunde nicht mehr nach. Meine besten Freunde wohnten woanders, sie waren überall in Deutschland verteilt.

Den Kontakt zu ihnen hielt ich dank Internet. Als Teenie habe ich gerne Zeit in diversen sozialen Netzwerken verbracht und bin dabei sogar auf einige Gleichgesinnte gestoßen, die bis heute zu meinen besten Freunden zählen.

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MATZE

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@Matt_Pieters

Es war das Jahr 2007, ich war dreizehn, Matze sechzehn. Zwei Paradiesvögel mit bunt gefärbten Haaren, Nietengürteln und engen schwarzen Jeans. Auf Seiten wie Myspace, Emopunk und Schüler-VZ gab es täglich Updates meiner Online-Freunde. Mittendrin stieß ich auf ein Video von Matze. Beim Anschauen schlug ich die Hände überm Kopf zusammen. Ich fand das Video peinlich, völlig sinnlos und hätte mir niemals vorstellen können, was für eine gute Seele und lustige Persönlichkeit hinter diesem Video-Clown steckt.

Irgendwann hörte ich, dass einige meiner Freunde ihn persönlich kennen, und wollte das auch. Wer den ersten Schritt gemacht hatte, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass wir uns bei MSN schrieben, nach kurzer Zeit die Webcam anmachten und ausgiebig über unser Leben sprachen und schnell ein erstes Treffen arrangierten. Er war auf meiner Wellenlänge, das habe ich sofort gespürt, und als ich ihn das erste Mal traf, sprang ich ihm vor Freude um den Hals. Mit niemandem habe ich in meiner Jugend so viele verrückte Dinge erlebt wie mit Matze. Ich wusste, mit ihm kann ich über jedes Thema sprechen, zwischen uns ist nichts tabu. Deshalb hält unsere Freundschaft nun schon fast neun Jahre.

JAN

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@iamjan_

Jan traf ich im gleichen Jahr wie Matze, auch online, aber auf anderem Wege. In unserer Heimatstadt fielen Jan und ich auf, er war ähnlich gekleidet wie ich, war auf ähnlichen Sozialen Netzwerken aktiv, trotzdem wussten wir nur wenig voneinander. Auch seine coole Clique ähnelte mir und meinen Freunden. Irgendwann stand fest, wir beide müssen uns kennenlernen und schrieben uns auf einer Seite namens Emopunk hin und her. Nebenbei gesagt bin ich froh, dass man die Fotos aus dieser Zeit nicht so leicht im Netz wiederfindet, haha! Eine Freundin von mir arrangierte ein Treffen und wir verbrachten einen unvergesslichen Tag in einer Gruppe, die sich anschließend lange hielt. Jan und ich sind damals öfter aneinander geraten, wahrscheinlich weil wir einfach zu gleich waren. Wir haben exakt die gleiche Musik gehört, die gleichen Klamotten getragen und die gleichen Freunde gehabt. Irgendwie cool, irgendwie too much.

Damals konnten wir beide damit nicht umgehen, verloren uns für zwei, drei Jahre aus den Augen, fanden aber bei der Geburtstagfeier einer gemeinsamen Freundin wieder zueinander. Wir haben uns – wer hätte das gedacht – in die gleiche Richtung entwickelt und sind Gott sei Dank erwachsener geworden. Kurz nach unserer „Wiedervereinigung“ gingen wir zusammen nach Berlin und können seit dem nicht mehr ohneeinander. Jan ist jemand mit dem ich durch dick und dünn gehe, mit dem ich witzige, traurige, inspirierende und unglaubliche Reisen und Erlebnisse teile. Einer, der mich unterstützt, fordert und immer ehrlich zu mir ist. Einer, den ich niemals gehen lassen werde. Außerdem ist Jan die einzige Person, die genau weiß, was mir gefällt, wie ich drauf bin und was ich brauche. Wenn er mir ein Outfit raussucht oder wir zusammen brainstormen, kommt immer was Gutes bei raus!

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Wenn ich darüber nachdenke, dass ich ohne Internet meine zwei besten Freunde vielleicht nicht kennengelernt hätte, bin ich echt dankbar für soziale Medien und das WWW. Wir drei sind ein unschlagbares Team und mittlerweile eher Familie als Freunde. Auch wenn wir heute am liebsten Leute auf der Straße, im Park, bei Events und im Club kennenlernen, haben viele unserer Freunde den ersten Kontakt im Internet gehabt. Ich kann verstehen, dass es online schwer geworden ist, auf korrekte Menschen zu treffen. In meinen Augen war das Internet zu der Zeit als ich die Jungs traf, aber auch friedlicher; 24/7 schreckliche Nachrichten, absolut sinnlose Videos, schlechte Werbung und Alles-Hater in sozialen Netzwerken nehmen mir einfach den Spaß am Surfen. Aber egal wo ich unterwegs bin, in der realen Welt oder im Netz, ich denke mir immer: Sei die beste Person, die du sein kannst. Und das sollte meiner Meinung nach jeder tun, dann trifft man überall auf tolle Leute!

Alle Bilder: Dustin Hanke