Laut Frauenzeitschriften, Psychologen und spirituellen Gurus durchläuft jede Partnerschaft ungefähr fünf bis neun Bindungsphasen. Am Anfang Crazy in Love, zwischendurch übelst genervt, und am Ende bleiben wir entweder zusammen und lieben uns abgöttisch oder können über die vermeintlichen „Fehler“ des Partners eben doch nicht hinwegsehen.

Welche sind denn nun die Phasen und wie werden die eigentlich eingeteilt? Ich möchte euch hier die in der Psychologie oft erwähnten sieben Stadien einer Beziehung vorstellen. Bitte denkt immer dran: Nur weil die Forschung das so sieht, heißt es noch nicht, dass es auch auf euch zutrifft. Wir sind alle einzigartig und ich wette der/die ein oder andere von euch befindet sich gerade in Phase 57, 1/3.

1. Die Verliebtheit

Alles ist geil, ihr seid geil, aufgedreht und glücklich, voller Dopamin (ist ja fast wie körpereigenes Kokain!), habt den Sex eures Lebens, werdet „definitiv heiraten“, auch, wenn ihr das nie wolltet, ihr könnt auf einmal doppelt so viel Alkohol trinken, ach was, ihr könnt sogar fliegen. Glückwunsch!

2. Die Verpflichtung

Ihr werdet exclusive, das heißt: kein Sex und keine Dates mehr mit anderen. Ihr besprecht eure komplette Vergangenheit und seid ab jetzt ein richtiges Paar. Ihr versprecht euch einander und das bei vollem Bewusstsein. Spannend!

3. Die Krise

Huch, wer hat denn hier die rosarote Brille abgenommen? Wo kommt denn dieser andere und fast nüchterne Blick auf den/die PartnerIn her? Wer hat denn hier bitte ungefragt die Realität in euer Leben geladen? Autsch, jetzt dürft ihr erste Meinungsverschiedenheiten und Spannungen erleben. Wurde aber auch mal Zeit für den ersten Streit!

4. Die Tortur

Der Alltag ist eingekehrt und ihr würdet euch den Partner am liebsten so zurechtbiegen, wie es euren Vorstellungen entspricht. Der Wunsch den anderen bei jeder dritten Handlung zu ändern wird riesengroß. Denn wie sollte es anders sein? Ihr seid natürlich viel schlauer, wisst es besser, ist doch logisch, aua. Das gute an dieser Phase ist, dass ihr jetzt gemeinsam emotional wachsen könnt. Denn Schmerz bringt entweder Veränderung – und ja, es dürfen natürlich immer beide aufeinander zugehen, denn wir alle sind nicht perfekt oder besser als unser Partner – oder Chaos. Oh, oh!

5. Das Chaos

Phase 5, die Phase der ewig gleichen Konflikte, der Langeweile und des wachsenden Desinteresses … Aber das muss nicht sein! Es ist auch eine unfassbar große Chance für die Beziehung. Albert Einstein wusste damals schon, dass Chaos der beste Nährboden für Ordnung ist. Wer hier „richtig“ abbiegt, erlebt möglicherweise ziemlich bald die wahre Liebe. Wenn’s „scheiße“ läuft, endet ihr hier bereits bei der Station Trennung. Richtig und scheiße sind natürlich immer Ansichtssache. Logo.

6. Das Erwachen

Hier erkennt ihr möglicherweise, warum die Tortur und das Chaos sinnvoll waren. Euch wird der Wert der Verbindung zu Partner oder Partnerin bewusst. Ihr könnt das Verhalten, das Sein und die Energien des/der anderen annehmen, obwohl nicht alle eure Erwartungen und Änderungswünsche erfüllt werden. Glückwunsch! Es ist zwar immer toll in einer Beziehung, auf den anderen zuzugehen und gemeinsam zu wachsen, jedoch bleiben wir schlussendlich Individuen. Die wenigsten von uns wollen wahrscheinlich einen Partner, der zu allem Ja und Amen sagt. So eine eigene Meinung und eigene Persönlichkeit sind schon vorteilhaft. Sonst wär’s ja langweilig!

7. Die wahre Liebe

Viele von uns haben Bock, es bis hierhin zu schaffen. Das Vertrauen ist groß, zwanghafte Bedingungen müssen nicht mehr erfüllt werden, jeder darf ein ganz klitzekleinstes bisschen einfach so sein, wie er ist, und irgendwie harmoniert das hervorragend mit dem anderen. An dieser Stelle dürfen wir den Partner sogar loslassen, denn es gibt keinen Grund mehr für panisches Festhalten. Ein Gefühl der Sicherheit macht sich breit. Irgendwie wird alles schön, die Liebe erfüllt eure Herzen, nichts kann euch trennen, ihr seid Bonnie und Clyde, Homer und Marge, John und Yoko. Nichts war jemals geiler! Ihr spürt Dankbarkeit in jedem Atemzug. Vorwarnung: Das Universum wäre nicht das Universum, wenn die wahre Liebe nicht auch an dieser Stelle wieder zerbrechen könnte. Ohne Achtsamkeit hält auch der klebrigste Kitt nicht – sorry. Also Augen auf im Liebesverkehr. Es lohnt sich. Versprochen!

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