Foto: Jule Müller
Foto: Jule Müller

Tag I der CCW18: Ein erstes Ankommen

Und ich dachte mir noch: „Hier? Ernsthaft?“ Ein unscheinbares Tor. Ein Plakat an einer Backsteinwand gibt mir allerdings den entscheidenden Hinweis: „Psst! Hier gehts lang.“ Wohin? Ich bin eingeladen zur Content Creation Week 2018 in die Blogfabrik hier in Berlin. Es hupt hinter mir. Sorry! Ich stehe im Weg, weil ich kurz im Foto-Fieber bin. Hinter dem unscheinbaren Tor verbirgt sich ein altes Fabrikgelände. Das muss festgehalten werden! Hashtag #CCW18 und was schreibe ich noch? Erstmal nichts…

Ich bin Mara aus Erfurt und hier Stipendiatin. Eine Woche, neun Seminare und heute ist erst Dienstag. Auftakt der Workshopreihen.

Im großen Aufenthaltsraum der Blogfabrik reorientiere ich mich. Da hinten steht eine Fotowand. „Die muss ich nutzen. Jetzt sofort…“, denke ich noch. Ich denke aber auch: „Später geht’s auch noch, ist ja erst Dienstagfrüh.“ Ich bin schüchtern. Mara eben.

Die Fotowand der CCW. Foto: Nina Raasch

#clickbaity  – Besser nicht!

Der erste Workshop beginnt. „Mehr als nur ein Clickbait – Online-Texte für Profis und die, die es werden wollen.“ Der Tisch ist lang, auffordernd liegt ein Blatt Papier vor mir, gleich geht’s los. Verstecken verboten! Soviel steht fest. Und so muss sich auch die schüchterne Mara in einer kleinen Dreiergruppe wiederfinden, als es hieß: „Kreiert ein Jugendwort 2018 als Ersatz für das schnöde ‚Online-Texten‘!“ Die Teilnehmer der Content Creation Week, inklusive mir, sprudeln. Nexting, Media-Voicing – schreibt doch eh keiner mehr – Linen, Linern, Connexten, …

Marlén und Paul bringen uns bei, was einen richtig guten Social Media Post ausmacht, wie wichtig der Teaser eines Artikels ist usw. usf.. Zwischenfrage: Ändert sich eigentlich der Charakter eines Textes, je nachdem wie man die Zwischenüberschriften aufbereitet? Die Diskussion wird in die Runde gegeben. Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Ich bin geflasht. So eine leichte Atmosphäre mit so viel Inhalt. Marlén und Paul erzählen aus ihrem Alltag, liefern knackige Beispiele und verpacken Aha-Effekte in kurzen Praxisübungen. Pause.

Nach dem Seminar ist vor dem Kennenlernen. Man kommt ins Gespräch auf der Couch, in der Blogfabrik, mit einem kühlen Getränk oder einem (zu klaren) Kaffee… Mh ja, mit der Kaffeemaschine stehe ich noch auf Kriegsfuß. „Wer bist du, was machst du, warum bist du hier?“ Ich liebe neue Gesichter, neue Geschichten und neue Persönlichkeiten und ach ja: „Wie heißt du eigentlich?“ Irgendwie sind wir alle anders, aber passen super zusammen.

„Paul und Marlén bringen uns bei, was einen richtig guten Social Media Post ausmacht, wie wichtig der Teaser eines Artikels ist ..“ Foto: Jule Müller

‚Hier bitte Headline einfügen’

„Und weil ich gerne schreibe, schreibe ich das alles auf…“ steht in meinem Blog. Ich schreibe einen Blog über meinen Hund und mein Pferd. Ja, ich bin ein Pferdemädchen mit Hund, aber ohne Glitzer … und mit Stahlkappenschuhen – also passe ich nicht in deine Schublade.

Jedenfalls beginnen (auch meine) Texte mit einer guten Headline. Wobei das Ansichtssache ist. BIS JETZT! Denn das nächste Seminar liefert mir den perfekten Titel. Also nicht nur einen, sondern genau genommen 10,5 Tipps für geniale Headlines. Gespickt mit Augenzwinkern und Schokolade – ja, man muss sich in das Produkt einfinden, zu welchem man schreibt – vergehen diese zweieinhalb Stunden wie im Fluge.

Der Workshop von Lars ist gut besucht. Foto: Jule Müller

„Die verfluchte erste Zeile – Was ist das Geheimnis guter Headlines?“ heißt das Seminar. Lars beginnt mit: „Vor dem Schreiben kommt das Denken“ und grinst in die Runde. Wir schreiben, wir schreiben und schreiben und schreiben. Wir kehren unseren Kopf aus, schaufeln Ideen, Hirngespinste und krumme Gedanken aus dem Sinn aufs Papier und entwickeln Titel für Spitter Rorts Rum Traube Nuss Schokolade (wegen der Werbung habe ich die Marke hier unkenntlich gemacht) den Titel für eine neue Kampagne.

Ich möchte euch ungern die Überraschung nehmen, da wir es in 2,5 Stunden alle zu professionellen Werbetextern gebracht haben und all unsere Ideen natürlich bald deutschlandweit zu sehen sein werden, aber weil ihr es seid, hier einige Ideen: „Was Sparrow noch sucht, haben wir schon drin.“, „Rumkugeln war gestern…“, „Da rasterst du aus“… Mit Schoko-Rum-Nuss-Traube-Geschmack im Mund geht es in die nächste Pause. Hier sitze ich gerade und habe tatsächlich jemanden aus Erfurt getroffen. Da muss ich erst nach Berlin in die Blogfabrik reisen, um jemanden aus Thüringen kennen zu lernen. Darauf erstmal einen Schluck klaren Kaffee.

Ein Hauch vom Zwischendurch

„Stipendiaten bekommen pro Tag eine Essensmarke, wisst ihr das?“, fragt Blogfabrikantin Lea. Prompt löse ich stolz meinen blauen Chip gegen eine “Aloha Bowl” von Sons of Mana ein und lasse mich auf die nächste Couch fallen. Gerade werden hier im Aufenthaltsraum die GIF-Ergebnisse des Workshops „The moving Image: Erwecke dein Content zum Leben“ von Sebastian gezeigt. Paprcut-Produkte werden animiert und belebt. Einige nutzen dazu die blaue Luftballonwand, die für allerhand Selfies herhalten muss und damit meine Foto-Idee wiederbelebt… Jetzt aber! Es rattert, die Fotobox spuckt ein Bild von mir aus. Ich bin begeistert, Annik, eine andere Stipendiatin, auch. „Kann ich so eine Box bitte zu Hause haben?“, lacht sie und wir schlendern zum dritten und letzten Seminar an diesem Tag.

Stipendiaten Annik hält die Sons of Mana Bowls für Instagram fest. Foto: Jule Müller

SEO and Out

Udo ist der letzte Referent in meiner Agenda heute. Bescheiden sagt er: „Ja, da habe ich den ersten deutschen Musikblog TONSPION gegründet“ und klickt gleich weiter. Thema: SEO. Wie lande ich in den Suchergebnissen auf Platz 1 der organischen Suchanfragen? „Indem du die beste Antwort auf die Suchanfrage der Nutzer lieferst. So einfach.“, grinst Udo.

Gut, dann können wir ja gehen. Bloß nicht! Bis mein Blog für meine Keywords mal an erster Stelle steht, fließt noch viel Wasser in die – welcher Fluss fließt nochmal durch Berlin, ach ja – Spree. Technik, Usability, Keywords, Content, Wettbewerb, Backlinks … Aber bitte alles qualitativ hochwertig, vom Macher für den Nutzer – nicht für Google. Alle Elemente der Website sind relevant und müssen perfekt ineinander greifen, um die Sache rund zu machen und damit Google uns mit einem hohen Ranking belohnt.

Der Kreis schließt sich und der Inhalt dieses SEO-Seminars schlägt einen Bogen zu meinem ersten Workshop an diesem Tag. Textoptimierung lautet das Zauberwort. Ich erinnere mich zurück an Marlén und Paul und hake innerlich ihre To Do’s für erfolgreiches Linen, Linern oder Nexting ab.

SEO ist wichtig – spätestens seit Udo’s Workshop weiß das. Foto: Jule Müller

Puh, klingt nach einer Menge Arbeit, aber Udo nimmt mir mit seiner ruhigen Art die Hektik und schließt ab mit: „Denkt dran: Mobile first!“.

Ich atme durch und schaue auf die Uhr. 19 Uhr. Ich bin seit neun Stunden hier in der Blogfabrik und kann die nächsten 18 Stunden, die in dieser Woche noch folgen, kaum erwarten. Ich bin geschafft, aber zufrieden. Ich bin voll mit neuen Informationen, Tipps, Tricks und Erfahrungen, aber nicht überfüllt. Ich bin Mara, Content-Creation-Weeklerin 2018, und ich bin mehr als gespannt, auf alles, was noch kommt.

Ich lasse das unscheinbare Tor hinter mir und laufe Musik hörend zur U-Bahnstation, mit dabei: Mindestens drei Dutzend neue Ideen für neue Texte, Handwerkszeug zur Suchmaschinenoptimierung und Spinnereien für neuen Content.

Bis die Tage!

 

Autorin:  Mara Hucke

Mara studiert Kommunikationswissenschaften im Master und arbeitet nebenher als Marketingassistentin einer privaten Musikschule in Erfurt. Sie ist leidenschaftlich kreativ, manchmal verkopft, aber immer voll Energie und vielseitig zu begeistern. Bei der CCW will sie den Spagat zwischen praktischen Erfahrungen und dem theoretisch Studium wagen.