Ach, mein Kotti. Heute morgen hast du mich gestresst. Da flitze ich noch ganz entspannt durch den morgendlichen Dunst der Content Creation Week entgegen … und gerade in diesem Moment glaubt sich ein grummeliger Lieferwagenfahrer im Rennen. Es folgt: Eine Symphonie quietschender Reifen, seinem berlinerischen Gefluche, unserem Hupkonzert.

In Zeitlupe hätte das Ganze viel schöner ausgesehen. Vielleicht in schwarz-weiß, gut geschnitten und untermalt von einer kraftvollen Opernballade. Aber auf diese Betrachtungsweise komme ich erst zwei Stunden später.

Show, don’t tell.”, so eröffnet Paul Ohmert, Filmproduzent und Smartphone-Experte, meinen ersten Workshop des Tages. In “Video-Produktion mit dem Smartphone – Die Grundlagen” lernt meine Gruppe bunt gemischten Amateurfilmer, dass Qualität nicht immer aufs Budget drücken muss. Kameralinse hin oder her – ein guter Film lebt vor allem von Aussagekraft und Stimmung.

„Ein guter Film lebt vor allem von Aussagekraft und Stimmung“, das lernt Stipendiatin Hannah im Workshop von Video-Experte Paul. Foto: Jule Müller

Déjà-Vus

Ein paar ästhetische Richtlinien und technische Kniffe später finde ich mich, zusammen mit meiner Mit-Stipendiatin Johanna, vor einem Späti wieder. “Stört es Sie, wenn wir vor Ihrem Laden kurz ein Videos drehen?” Der Späti-Mann schüttelt den Kopf und sieht uns mit einer ungesunden Portion Zigarettenrauch und Skepsis beim Dreh zu.

Eine halbe Stunde später haben wir zwanzig Sekunden im Kasten. Hier das Ergebnis. Ganz schön viel Arbeit! Paul beruhigt uns: “Hervorragende Ergebnisse brauchen ihre Zeit.” Eine Devise, mit der es sich viel leichter auf die Poké Bowl in der Workshop-Pause warten lässt.

A steht für B, C & D

Mit vollem Magen und gutem Gewissen (Grünzeug vor zwölf Uhr, mindful und so!) geht es für mich in den zweiten Workshop “A steht für Augen. Aufmerksamkeit anziehen mit Ästhetik und Authentizität”. Hier dreht sich ebenfalls alles um visuelle Kommunikation. Diesmal jedoch im Internet. Wie kann ich die Sprache meiner Marke in kreative Bilder umsetzen? Visual Designer und Workshopleiter Andrew Sampson weiß mehr. Anhand von knalligen Strichmännchen, seriösen Image-Kampagnen und dramatischen Hitchcock-Filmszenen lerne ich, dass Design weit mehr ist als ein nettes Verkaufsargument. Buchstaben werden zu Bausteinen, Farben zu Emotionen und Dekoration zu Design.

Wie ich Letzteres von Hirn auf Homepage verfrachte (schon gut, ich höre jetzt auf mit den Alliterationen), erfahre ich im letzten Workshop des Tages. “All the Basic Skills to Make your Blog or Website look Awesome” wird von Fotografin Barbara Cilliers geleitet. Sie hat sich das Programmieren von Websites selbst beigebracht und ist davon überzeugt, dass wir das auch hinbekommen. Zwei Stunden später steht der Fernsehturm in Flammen und David Hasselhoff ist Bundeskanzler. Ich habe den Quelltext von Spiegel Online erfolgreich geändert.

Einmal HTML zum mitnehmen gibt es in Barbaras Workshop. Foto: Jule Müller

So viel komprimiertes Wissen habe ich selten an einem Tag mitgenommen. Voller Tatendrang flitze ich durch den abendlichen Dunst, durch Backsteinbögen und Blogger-Ansammlungen, meinem Kotti entgegen. Heute stresst du mich nicht mehr! Und wenn doch, zücke ich halt mein Handy und mache ich ein Video draus.

Autorin: Hannah

Hannah schwimmt seit dem Abschluss ihres Journalismus-Studiums in verschiedensten medialen Gewässern. Sie textet, photoshoppt, filmt und instagrammt – und versucht auf der CCW, herauszufinden, ob es sich lohnt “Irgendwas mit Medien” ein wenig einzugrenzen.