Foto: Jule Müller
Foto: Jule Müller

Der erste Tag. Das verspielte, riesige Büro der Blogfabrik. Die darin tippenden Arbeitsnomaden. Die Indie-Mags. Und Grünpflanzen. Der Kaffeegeruch. Und dann: Die verfluchte erste Zeile. Wie bitte?

“Das Geheimnis guter Headlines” läutet meine Woche und deren Bericht ein. Wer hätte gedacht, dass ein paar kleine Worte so viel Arbeit machen können? Vorsichtshalber flüchte ich mich mit der Headline dieses Artikels in Ironie. Werbetexter Lars Wagner wäre davon wohl nicht begeistert. Headlines sind für ihn mehr als ein Lockmittel. Sie verpacken eine kurze Botschaft in einen interessanten Gedanken, oder zumindest eine interessante Formulierung. In seinem Workshop dreht sich alles um Schubladen.

Lars Wagner erzählt von guten Titeln. Foto: Jule Müller

Eine ebenso kreative Subhead…

Eigentlich ist es ein von unserer Generation verdammtes Wort. Wozu brauchen wir Avocado-Bowl schnabulierenden Individualisten mit Tape über dem Apple-Logo denn Schubladen? Eben, um mit seinen Headlines nicht die üblichen Kalauer aufzuwärmen. Wir sind schon lange nicht mehr Papst. Auf einer dieser Schubladen steht “Der kreative Twist”. In diese packt Lars Headlines, die mit minimalem Leseaufwand maximale Aufmerksamkeit erreichen. Als Beispiel dient eine klobige Herrenuhr. Wäre sie ein Mensch, hätte sie garantiert Goldzähne und ein Sixpack. Ihr Werbeslogan lautet: “Der Uhr”. Eine Geschichte in nur zwei Worten.

…kommt selten allein

Nach zwei Stunden Namenstaufe für eine fiktive Schokoladenkampagne raucht mir der Kopf. Die Sache mit den guten Headlines muss ich noch üben. In der Pause quatsche ich mit den anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten über ihre Erlebnisse. Mich überrascht die Vielfalt unserer fleißigen, kleinen Truppe. Manche von uns dümpeln noch in undurchsichtigen Mediengewässern, andere arbeiten fleißig an konkreten Ideen. Vom Versicherungspodcastler bis hin zur klassischen Influencerin ist alles dabei. So treffen auf unserem Gruppenfoto vor Luftballon-Kulisse Kreuzberg, Erfurt und das Ruhrgebiet aufeinander.

Die CCW-Stipendiaten auf einem Haufen.

Im zweiten Workshop des Tages gehe ich der Mechanik hinter den Headlines auf den Grund. “Crashkurs SEO – Was Jede*r 2018 über Suchmaschinenoptimierung wissen sollte”, erweist sich als Schnelldurchlauf einer Link-Karriere. Die Google-Algorithmen sind in puncto Content sehr unbarmherzig. Stimmen die Keywords nicht, verschwinden sogar preisgekrönte Artikel im Link-Sumpf des Internets. Mit einem Erste-Hilfe-Kit für Klickzahlen und einer gutgemeinten Warnung vor beweglichen Slidern (“Absolute Traffic-Killer!”) mache ich mich auf den Heimweg.

Und weil die besten Ideen immer die spontanen sind, purzelt mir auf dem Fahrrad buchstäblich eine Headline nach der anderen aus dem Hirn. Der erste Tag. Das verspielte, riesige Büro der Blogfabrik. Die darin tippenden Arbeitsnomaden. Die Indie-Mags. Und Grünpflanzen. Der Kaffeegeruch. Die verfluchte erste Zeile. War doch gar nicht so schwer.

Hier erzählt Hannah von ihrem zweiten Tag bei der CCW.

Autorin: Hannah Nieswand

Hannah Nieswand schwimmt seit dem Abschluss ihres Journalismus-Studiums in verschiedensten medialen Gewässern. Sie textet, photoshoppt, filmt und instagrammt – und versucht auf der CCW, herauszufinden, ob es sich lohnt “Irgendwas mit Medien” ein wenig einzugrenzen.