Die CCW-Stipendiaten (v.l.): Carl, Judith, Annik, Johanna, Ersad, Mara und Hannah.
Die CCW-Stipendiaten (v.l.): Carl, Judith, Annik, Johanna, Ersad, Mara und Hannah.

Tag II der CCW: Ein zweites Ankommen

Zweiter Tag. Mittwoch. Dass der Mittwoch mal ein zweiter Tag sein würde, hätte er auch nie gedacht. Ich finde den Weg entspannt auch ohne Google-Maps und freue mich, das vertraute Tor zu sehen. Die Blogfabrik wirkt schon an diesem Morgen irgendwie vertraut und ich fühle mich sowas wie heimisch. Ehrlich? Ja, ich bin mir sicher. Hier fühle ich mich wohl. Hier bin ich Mara, hier will ich kreativ werden, lernen und entwickeln.

Ich spreche ein ernstes Wörtchen mit der Kaffeemaschine und drücke auf den Knopf. Sie schnauft und kracht und gibt schließlich nach: Ein richtig leckerer Kaffee nimmt Einzug in meine Tasse und zwinkert mir zu. Mögen die Workshops beginnen.

Mara meditiert?!

Die heutigen Content Creation Week Workshops haben es in sich, soviel vorweg. Den Auftakt macht Kevin mit „Mindfulness and Creativity for Creators“. Zugegebener Maßen ist dies der einzige Workshop, welchen ich nicht aktiv gewählt hatte und in den ich einfach so reingerutscht bin. Mediation, Entspannungsübungen, Aufmerksamkeit? Irgendwie so etwas stand in der Beschreibung und ich bin ehrlich und schreibe euch, dass ich unentschlossen war zwischen: „Ich muss Blogfabrikantin Lea unbedingt schreiben, dass ich alles nur diesen Workshop nicht will“ und „Keine Ahnung, keine Erwartung, kein Urteil, rein da!“. Ich habe mich für Zweiteres entschieden. Viele im Seminar haben mindestens schonmal eine Probestunde Yoga oder Pilates hinter sich, Madame Wien – leider kenne ich ihren richtigen Namen nicht – neben mir, ist sogar Yoga-Lehrerin. Mein Beitrag in der Vorstellungsrunde hingegen lief hingegen eher auf: „Hallo ich bin Mara. Manchmal wuseln meine Gedanken durcheinander. Bitte bring mir bei, wie ich Ordnung in meinen Kopf bekomme.“ Habt keine Angst um mich, klingt schlimmer als es ist. Die letzten 23 Jahre bin ich damit gut klar gekommen. Kevin lacht und wirft seinen „Meditations-Mushroom“ an die Wand. Jetzt lache ich. Aber nur kurz. „Immer wenn ihr diesen Mushroom seht – der Mushroom ist euer Freund – erinnert ihr euch daran, euch gerade hin zu setzen, tief ein- und auszuatmen und zu entspannen.“ Es funktioniert. Wagt den Selbstversuch: Fünf Sekunden einatmen, fünf Sekunden halten, zehn Sekunden ausatmen. Das ist überhaupt nicht einfach, stelle ich fest und schon habe ich das Ziel erreicht: Absolute Konzentration, Besinnung auf mich selbst und Aufmerksamkeit, die wir gleich in kleinen Projektideen nutzen sollen. Das Ergebnis? Tja, das Ergebnis ist eine tolle Food-Start-Up-Idee. BIO-Wassereis – natürlich vegan – mit Geschmacksrichtungen wie Basil-Lemon, Strawberry-Mint oder Greentea… Madame-Wien ist begeistert und beschließt die Idee gleich in ihrer Dessertkarte ihres Lokals zu verankern. Wir hören voneinander!

Bei Kevin lernen die Teilnehmer*innen sich auf den Moment zu fokusieren und ihre Konzentration zu bündeln – und sei es nur auf einen Gegenstand in der Hand. Foto: Jule Müller

Von Zeitkapseln und Beobachtungen

Zweieinhalb Stunden später stelle ich fest, ein Zeitgefühl verloren zu haben. Ich bin doch gerade erst angekommen und schon ist es 13 Uhr. Mittagszeit. Ich kann es kaum glauben, als ich meine „Ohana Bowl“ stäbchel (gabeln oder löffeln kann ja jeder). Annik dreht eine kurze Instastory mit mir, ich wage ein GIF vor der Fotowand und genieße die Atmosphäre in der Blogfabrik. Heute schreibe ich für irgendwann und mein Beitrag geht nicht gleich heute noch online. Also habe ich Zeit und nutze die Pausen, um zu beobachten. Ich liebe es, im Gewusel unsichtbar zu sein und alle anderen zu verfolgen. Creepy? Ach quatsch, das macht ihr doch genauso, ihr schreibt es vielleicht nur nicht auf. Da sitzen Stipendiaten zusammen und tauschen Instagramnamen aus, andere verschwinden mit Laptop auf dem Schoß in einem der Sofas, wieder andere beobachten mich beim beobachten – ich wusste es!

„Ich mag es hier“, denke ich noch, als mich Claudios Glöckchen aus der Trance holt und zum nächsten Workshop ruft.

Annik (links) und Mara mit Bowl und Smartphone durch die Mittagspause. Foto: Jule Müller

Likes, Likes, wir brauchen Likes

Willkommen in der Welt von Instagram und Facebook. Im „Social Media Bootcamp“ mit Alicia strukturieren wir Do’s und Don’ts für den optimalen Post, ein authentisches Profil und tauschen Social Media Hacks, Ideen und Trends aus. Ich bin schon eine Weile in Facebook- und Instagramwelten unterwegs, aber es hat so gut getan, mal Checklisten zu bekommen, mal eine Struktur in alle Handwerkszeuge, Anwendungen und Möglichkeiten zu bringen (wo wir wieder bei den strukturierten Gedanken sind). Sogar unsere Eisidee aus dem ersten Workshop findet einen Platz im Bootcamp. Wir kreieren einen Wochenplan für Facebook und Instagram. Montag gibt es eine kleine Umfrage mit leckeren Eissorten gegen den Mondyblues, Dienstag ein Gewinnspiel für ein Eis-Catering auf deiner Party, Mittwoch posten wir ein Insight „Wie kommt das Eis in die Tüte“, „und wie kommt es wieder raus“ am Donnerstag mit einem lustigen Video und deinem Trick das Eis aus der Tüte zu holen…usw. Perfekt. Der Charakter des Eis ist gesponnen, die Kampagne wohl überlegt, Madame Wien steht als Kundin auf der Matte, fehlt nur noch ein Name und das Eis selbst. „But good things take time“, hat Alicia selbst gesagt.

In der Pause treffen sich endlich alle Stipendiaten auf einem Fleck. Und wo sonst als vor der Fotowand zum Gruppenbild. Ich bin stolz, dabei sein zu dürfen. Stolz, Teil sein zu dürfen. Glückselig hier einfach aufgenommen worden zu sein, so ohne Kompromisse, einfach so wie ich bin. Keine dummen Fragen, keine dummen Antworten.

Nur etwas für echte Nerds?


Noch schnell ein kühles Getränk gegen die Hitze und ab zum letzten Workshop an diesem Tag.

„All the Basic skills to make your blog or website look awesome“ mit Barbara. Barbara ist spritzig, lustig, nicht die Größte und sie redet schnell, ich weiß, wie es ist, daher kann ich sagen: Sie wuselt. Ich mag sie und habe mich auf diesen Workshop gefreut. Aber – und ihr merkt, dass ich um Worte ringe – so richtig zufrieden bin ich nicht. Ich hatte mir vom Workshop mehr konkretes Handwerkszeug erhofft, wie ich meine Website ansprechend gestalte, worauf die User schauen, eben Tipps zur Gestaltung. Doch das Seminar entpuppte sich als Einführung in verschiedene HTML und CSS Befehle. Puh, damit bin ich bisher kaum in Berührung gekommen und ihr kennt das, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, ist man gleich weniger aufnahmebereit. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber es fiel schwer zu folgen. Daher habe ich die wichtigsten Brocken mit getippt und mich über Barbaras Handout mit wichtigen Links gefreut – als hätte sie es geahnt. Aber gut, am Anfang der Woche hieß es ja, dass wir hier alle voneinander lernen wollen und alle voneinander profitieren sollen. Es ist nicht schlimm, wenn mir persönlich dieses letzte Seminar nicht viel gegeben hat, denn bei den anderen Content Creation Weeklern und Weeklerinnen hat es dafür den richtigen Nerv getroffen. Vielleicht habe ich die Seminarankündigung auch durch die rosarote Brille meiner Vorstellung vom Workshop gelesen, wer weiß. Das trübt meine Stimmung jedenfalls nicht. Ich habe dennoch etwas mitnehmen können und weiß, dass der Tag kommt, an welchem ich an Barbara denken werde und mich zurück in die Blogfabrik wünsche…

Barbaras HTML-Workshop war für Mara eine Herausforderung. Foto: Jule Müller

Wer hat an der Uhr gedreht?

Ich bin durch. Es ist fürchterlich warm an diesem Mittwoch in Berlin. So ein Tag, an welchem egal ist, was man an hat, es ist zu viel. Der Planet brennt. Aber der Limo-Kühlschrank ist voll und surrt geduldig und einladend. Diese Einladung nehme ich gerne an und nehme einen großen Zug, bevor ich abschließend mit Annik und Ersad – zwei anderen Stipendiaten den Tag auswerte. Annik niest. „So niest du?“, fragt Ersad: „Ich schlucke lauter“, stellt er fest. Wir lachen. Heute ist aus uns nichts mehr viel rauszuholen, denke ich. Aber wir sind glücklich. Wie zur Hölle können 7,5h Workshops und 9 h in der Blogfabrik so kurzweilig sein? Sind wir in einem Zeitloch? In einer Blase? Dann will ich hier nicht mehr raus. Man bringe mir Gummibärchen. Wir sehen uns dann irgendwann.

Hier könnt ihr mehr von Maras erstem Tag bei der CCW erfahren.

Autorin:  Mara Hucke

Mara studiert Kommunikationswissenschaften im Master und arbeitet nebenher als Marketingassistentin einer privaten Musikschule in Erfurt. Sie ist leidenschaftlich kreativ, manchmal verkopft, aber immer voll Energie und vielseitig zu begeistern. Bei der CCW will sie den Spagat zwischen praktischen Erfahrungen und dem theoretisch Studium wagen.