Ein letztes Mal ankommen

Ich sitze im Zug … auf dem Boden. Ja, irgendwie ist irgendwann ein anderer Zug ausgefallen und dann denkt die DB eben einfach praktisch.

Mein Ziel? Zu Hause. Die Zeit in der Blogfabrik ist schon vorbei. Schon? Ja, ehrlich gesagt habe ich das Gefühl noch nicht mal richtig da gewesen zu sein. Aber dass die Zeit in und um die Blogfabrik anders tickt, habe ich euch ja bereits berichtet.

In diesem dritten und letzten Bericht über meine Content Creation Week als Stipendiatin und als Mara werde ich noch einmal versuchen, die Atmosphäre aufs Papier zu bringen. Von mir, für euch:

Ich komme in die Blogfabrik und parke meinen Koffer hinter dem Tresen. Ja, heute habe ich meinen Koffer schon dabei und den Schlüssel zur Wohnung meiner Freundin, bei der ich die Woche über gewohnt habe, schon in ihren Briefkasten geworfen. Wehmütig habe ich den Postraum in irgendeinem siebten, achten oder x-ten Seitenflügel des x-ten Hinterhauses irgendwo im Wedding gesucht und schließlich auch gefunden. Erste Hürde geschafft. In der Blogfabrik falle ich gleich Annik, einer anderen Stipendiatin, um den Hals. Sie hat tatsächlich heute Geburtstag und sich richtig in Schale geschmissen. Klar, dass noch vor meinem Blogfabrik-Kaffee die Fotobox von Anniks Outfit und ihrem Accessoire – mir – erfahren muss.

Geburtstagskind Annik mit den Mädels von „Im Gegenteil“ vor der Fotowand. Foto: Frank Schröder

Kamera läuft, Klappe – die Erste …

Ich freue mich auf den ersten Workshop. „Videoproduktion mit dem Smartphone“ mit Paul. Paul sieht müde aus und offensichtlich steht mir diese Feststellung auf die Stirn geschrieben, denn gleich erklärt er uns, dass ihn die ganze Nacht seine Kinder wachgehalten haben. Doch wir haben nicht viel Zeit für Mitleid, denn Paul lädt uns sofort und ohne Umwege ein, ihm zu folgen. Das macht er einfach so mit der Art und Weise, wie er redet, durch seine Gestik und Mimik, seine Betonung und seine Präsentation. Wir sind dabei und mittendrin, schauen viele gut und schlecht produzierte Beispielfilme und werden ganz nebenbei selbst in einen kreativen Prozess geworfen. „Freies assoziatives Schreiben“ lautet das Stichwort. „Macht mal“, fordert uns Paul auf. Wie machen? „Na, einfach schreiben“, grinst Paul. Ich stelle fest, dass man so etwas heute gar nicht mehr gewohnt ist. Einfach mal machen … Wer macht das schon (noch)? Wir heute! 30 Sekunden später steht auf meinem Blatt irgendwas zu: Stoppelfeld, Galopp, Freiheit, Eis und Vogelperspektive. Wahllos aus der Luft gegriffen. Das wirbelte in meinem Kopf und steht nun da auf dem Blatt Papier. Wir gehen ins Detail und bekommen 30 Sekunden Zeit, um einen Ort zu beschreiben, eine Person … Wir laufen warm. Wie einfach es doch sein kann, einfach mal mit Worten zu visualisieren. Zeige es mit Worten und wir haben sofort ein Bild dazu im Kopf. Stell dir dich, den Raum, in dem du bist, deine Gedanken, deine Herausforderung mit Worten vor und schon hast du die ersten drei Bilder deines Films vor deinem inneren Auge. Beispiel? Ok, hier bin ich:

„Hinter mir liegt schwer der Dom. Mächtig, aber nicht bedrohlich. Von hier oben schaue ich auf das bunte Wuseln da unten und freue mich über die unterschiedliche Höhe all der Dächer da unten. Sonst ist die Stadt pingelig und aufgeräumt, aber manchmal muss man eben von seinen Prinzipien abweichen. Hier sitze ich auf einer der 70 Stufen zum Domberg. Ich liebe die Welt, aber nur mit meinen Domspitzen im Rücken fühle ich mich wirklich heimisch. Auf dem Schoß habe ich meinen Laptop, links neben mir liegt mein Hund Wanda, die wahllos nach Fliegen schnappt. Hier schreibe ich Posts, Artikel, Pressemitteilungen, plane Kampagnen und beantworte Mails. Hier ist mein Büro.“ Und? Könnt ihr es euch bildlich vorstellen? Wenn nicht, lasst es mich wissen, dann muss ich Paul nochmal eine Mail schreiben.

Paul Ohmert zeigt wie man einfache Videos mit guten Geschichten macht. Foto: Jule Müller

Was ich sonst noch mitgehen lasse

In der Pause sitzen wir auf den Sofas zusammen und hören Musik. Wir reden übers Essen, über Hobbys, darüber, ob wir in Kontakt bleiben. Das werden wir, da bin ich mir sicher. Ich hole mir eine Cola aus dem Kühlschrank und denke darüber nach, dass dies meine letzte Pause hier in der Content Creation Week 2018 sein wird und sehe, wie mir mein Koffer hinter dem Tresen zuwinkt. Ich strecke ihm die Zunge raus und drehe ab. Aus der Blogfabrik nehme ich nicht nur Input für meinen Blog oder meinen Job mit, sondern auch jede Menge Lifestyleideen. Mein Freund beispielsweise wollte Eindrücke von meiner Zeit in Berlin und hat nun viele Fotos in unserem WhatsApp Verlauf von den Regelsystemen der Blogfabrik. Er sagt, er bastelt gern und diese Regale werden sein nächstes Projekt. Tschakka!

Es war einmal die perfekte Geschichte

Im nächsten Workshop geht es um richtig gute Geschichten, genauer; um „die Geheimnisse des Storytelling“ mit Jule, Mitgründerin vom Blog und Magazin „Im Gegenteil!“. Jule kenne ich schon. Sie hat die ganze Zeit während der Content Creation Week 2018 hier Bilder von uns geschossen. Auch diese Bilder hier in diesem Beitrag und in allen anderen Beiträgen von uns Stipendiaten. „Ich mag Smalltalk nicht. Daher machen wir die Vorstellungsrunde mal anders. Wie heißt ihr und was ist eure Passion?“, startet Jule den Workshop. Das ist einfach und wenn ihr meine Beiträge bisher aufmerksam gelesen habt, wird euch: „Ich heiße Mara und meine Leidenschaft ist die Arbeit mit Pferden“ nicht mehr wundern. Es war toll. Bei jeder Gemeinsamkeit mit der Passion eines anderen Content Creation Weeklers, haben wir eine Hand gehoben. Danke Jule, so einfach geht Kontaktknüpfen also. Erzähl das mal den Tinderianern und -innen.

Was macht eine gute Geschichte nun aus? Sie catcht dich sofort, sie ist ehrlich und emotional, sie nimmt dich mit, sie fesselt dich, sie besticht mit einer guten Headline, berauschenden Fotos und hat die Gabe, aus einfachen Dingen etwas Großes zu machen. So wie wir nun aus den kleinen Gegenständen vor uns auf dem Tisch etwas Besonderes machen sollen. Vor mir liegt eine stinknormale Haselnuss. Ich mag Haselnüsse nicht, ich bin allergisch gegen Haselnüsse (keine Angst, Nutella geht), aber es gibt eine Sache, die mir Haselnüsse schmackhaft macht: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Jedes Jahr dieses Märchen, dutzende Male und immer wieder diese Gänsehaut, als aus der letzten Haselnuss das Brautkleid springt. Und diese Haselnuss, in diesem Seminar an diesem Donnerstag in der Blogfabrik in Berlin, sie ist meine persönliche dritte Haselnuss. Wenn der richtige fragt, werfe ich sie hinter mich. So die Geschichte …

Eine knappe halbe Stunde vor dem Ende des Workshops muss ich schon gehen. Bye Bye, Blogfabrik. Bis ganz bald. Euch lasse ich mir nicht mehr entgehen. Ich habe mit Absicht etwas bei euch vergessen, um wieder zu kommen und es zu holen. Aber ich verrate nicht was und nicht wo.

Tja und dieser Abschied, war die zweite Hürde an diesem Tag.

Danke. Bussis und bis die Tage!

Mehr von Mara’s CCW Woche könnt ihr hier und hier lesen.

Autorin:  Mara Hucke

Mara studiert Kommunikationswissenschaften im Master und arbeitet nebenher als Marketingassistentin einer privaten Musikschule in Erfurt. Sie ist leidenschaftlich kreativ, manchmal verkopft, aber immer voll Energie und vielseitig zu begeistern. Bei der CCW will sie den Spagat zwischen praktischen Erfahrungen und dem theoretisch Studium wagen.