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Wer das große Geld sucht, sollte eher über einen anderen Beruf als „freier Journalist“ nachdenken. 2.100 Euro brutto verdient er durchschnittlich – zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des Deutschen Journalisten-Verbands von 2013. Wer diesen Berufsweg trotzdem einschlagen möchte, sollte wissen: Viele dieser Freelancer leben nicht vom Journalismus allein, sondern verdienen mit zusätzlichen Jobs etwas dazu. Und: Tolle Texte und gute Themen sind nicht genug – man muss sie auch verkaufen können.

Ich arbeite seit zehn Jahren als Journalistin – sieben Jahre davon frei, drei als Redakteurin, unter anderem bei vice.comZEIT Campus und ZEIT ONLINE Arbeit. Ich kenne also beide Seiten des Geschäfts: Ich habe selbst jahrelang Themen an Redaktionen gepitcht und um Honorare gefeilscht. Ich habe aber auch entschieden, für welche Journalisten und welche Themen das Budgetgeld fließt. In meinem Workshop erkläre ich den Teilnehmern, wie sie Themen an Redaktionen verkaufen – und wie sie Honorare verhandeln. Unter anderem behandele ich folgende fünf Irrtümer über das Schreiben für Geld, denen Anfänger häufig erliegen.

1. Über Geld spricht man nicht

Oh doch! Und zwar bevor man einen Auftrag annimmt. Das Honorar noch vor dem Schreiben zu verhandeln, ist genauso wichtig, wie die Deadline und die Länge des Artikels abzustecken. Am besten informiert ihr euch, was das Medium bezahlt, noch bevor ihr ein Thema anbietet. Dann könnt ihr schon im Vorfeld entscheiden, ob es sich lohnt, dafür zu schreiben. Bei journalismus.com kann man zum Beispiel nachschauen, was andere Journalisten bei einem deutschsprachigen Medium verdient haben. whopayswriters.com informiert über englischsprachige Medien.

Der Verhandlungsspielraum nach oben ist meistens nicht sehr groß – aber vorhanden, wenn ihr gut begründet könnt, dass ihr in einen Artikel besonders viel Recherche oder Arbeit stecken müsst. Als Redakteurin habe ich die Erfahrung gemacht, dass vor allem Frauen viel zu selten nach mehr Geld fragen – auch in Fällen, in denen es angemessen wäre.

2. Freie Journalisten gibt es wie Sand am Meer

Der Deutsche Journalisten-Verband geht davon aus, dass in Deutschland im Jahr 2013 etwa 30.000 Journalisten selbstständig waren (freie Bildredakteure miteingeschlossen). Und wer sich in Berliner Bars mit Fremden unterhält, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass hier jeder zweiter ein Freelancer ist, der in der Medienbranche arbeitet. Die Wahrheit ist aber: Selbst in Berlin sind gute Autoren schwer zu finden, die zuverlässig frische Themen und gute Texte liefern. Jeder Redakteur braucht einen Stamm guter Autoren, den er auch häufig „mitnimmt“, wenn er den Arbeitgeber wechselt. Generell sollte es euch skeptisch stimmen, wenn ein Redakteur versucht, euch einen mies bis gar nicht bezahlten Auftrag mit dem Argument schmackhaft zu machen, dass „dutzende andere“ den Job dankend annehmen würden, wenn ihr das nicht tut.

3. Ohne umsonst zu arbeiten geht nichts

Für Anfänger kann es sich lohnen, für wenig Geld zu arbeiten, um Erfahrung zu sammeln, sich einen Namen zu machen oder sich zu vernetzen. Wer Erfahrung hat, muss sich aber irgendwann fragen, ob er Medien mit seiner Arbeit unterstützen will, deren Geschäftsmodell darauf beruht, nichts oder sehr wenig zu zahlen. (Und darauf zu spekulieren, dass ihre Auftragnehmer an ihrem Portfolio arbeiten, bis sie 67 sind und ihre Leidenschaft mit Kellnern querfinanzieren.) Es gibt hippe Magazine, die den ersten Artikel eines neuen Autors generell nicht bezahlen, um ihn zu „testen“. Das finde ich so absurd, als würde ein Restaurantbesucher das erste Abendessen umsonst verlangen, weil er ja schließlich nicht weiß, ob es dort schmeckt.

Überlegt euch gut, ob die Reichweite eines Mediums oder dessen Name auf dem Lebenslauf es euch wert sind, umsonst zu arbeiten. Zumindest könntet ihr folgenden Deal vorschlagen: Wenn der Redakteur mit eurem Artikel kaum Arbeit hatte, und die Zusammenarbeit glatt lief, wird bezahlt. Hat’s „nicht geschmeckt“, kann man noch einmal darüber reden.

4. Gute freie Journalisten schreiben nur preisträchtige Reportagen für namhafte Zeitungen

Euer Honorar wird oft nicht nach der Arbeitszeit und dem Herzblut berechnet, das ihr in einen Artikel reingesteckt habt, sondern danach, wie viel der Text einem Kunden wert ist. Für einen Text mit 5.000 Zeichen und dem gleichen Arbeitsaufwand habe ich schon mal zwischen 80 Euro (Zeilengeld bei Tageszeitung), 400 Euro (Magazin) oder sogar 800 Euro bekommen (Kundenmagazin eines Unternehmens). Und: Die Gleichung „je renommierter ein Medium ist, desto besser bezahlt es“ stimmt nicht. Um als freier Journalist zu überleben, reicht es also nicht, gut in dem zu sein, was man tut. Man muss auch als Unternehmer denken. Dazu muss man zum Beispiel überlegen, wie man einen weniger gut bezahlten Artikel (der Reichweite hat, oder ein Thema, das euch am Herzen liegt) mit einem lukrativen (und oft weniger spannenden) Auftrag ausgleicht. Einen freien Journalisten, der ausschließlich preisträchtige Reportagen für renommierte Magazine schreibt, habe ich noch nicht kennengelernt.

5. Themen-Pitchen ist die kürzeste eurer Aufgaben

Berufseinsteiger denken oft: Eine E-Mail mit einem Themenvorschlag – das sollte ja wohl nicht so lange dauern. Tatsächlich ist Themen-Pitchen eine der wichtigsten und aufwändigsten Aufgaben der Freien. Ein Themenvorschlag ist die Vorschau eures Könnens und muss die Redaktion überzeugen, euren Text zu kaufen. Dafür müsst ihr das Thema zumindest anrecherchiert haben. In euerm Vorschlag solltet ihr am besten mögliche Protagonisten und Experten benennen, die These eures Artikels andeuten und die Relevanz des Themas aufzeigen. Das alles in fünf, sechs gut formulierte Zeilen zu packen, die auch zum Ton des Mediums passen, ist ein kleines Kunststück. Aber es lohnt sich! Je präziser euer Vorschlag und je klarer eure These ist, desto einfacher ist es, eure Idee zu verkaufen – und danach den Artikel zu schreiben.

Wie ein guter Themenvorschlag funktioniert und welche Fehler man dabei vermeiden soll, lernt ihr in meinem Workshop. Wir üben, überzeugende Themenvorschläge zu schreiben, die richtigen Ansprechpartner in Redaktionen zu finden und Honorare zu verhandeln.

 

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